Barock (1600–1750)
Von der Geburt der Oper bis zum Tod Bachs: Generalbass, Kontraste, Verzierungen und der Siegeszug von Dur und Moll.
Um 1600 wollten italienische Musiker die Kraft des antiken Theaters wiederbeleben. Sie erfanden die begleitete Monodie: eine Solostimme, die Leidenschaften ausdrückt, getragen von einer Basslinie und Akkorden. So entstand die Oper, mit Peris Euridice (1600) und dann Monteverdis L’Orfeo (1607).
Das Herz der Barockmusik ist der Generalbass (Basso continuo): Ein Cembalo, eine Orgel, eine Laute oder eine Gitarre spielt durchgehend den Bass und improvisiert die durch Ziffern angegebenen Akkorde. Darüber sind die Melodien mit Verzierungen geschmückt (Triller, Mordente, Vorschläge). In dieser Zeit setzten sich auch Dur und Moll durch, und Tasteninstrumente wurden so gestimmt, dass man in immer mehr Tonarten spielen konnte.
Der Barock liebt den Kontrast: laut und leise in Blöcken („Terrassendynamik“), Solist gegen Orchester im Konzert, Chor gegen Orchester im Oratorium. Vivaldi prägte die dreisätzige Form des Konzerts, Corelli die der Sonate.
Für Tasteninstrumente ist es das Zeitalter der Tanzsuiten (Allemande, Courante, Sarabande, Gigue, Menuett), der Präludien und Fugen. Bach führte alles zusammen: Seine Inventionen und sein Wohltemperiertes Klavier stehen bis heute im Zentrum des Klavierunterrichts. Um 1700 erfand Cristofori in Florenz ein Cembalo, das „piano e forte“ spielen konnte: das künftige Klavier.
Was sie auszeichnet
- Generalbass: ein durchgehender Bass mit improvisierten Akkorden
- Dur- und Molltonarten, Modulationen in verwandte Tonarten
- Viele Verzierungen: Triller, Mordente, Vorschläge
- Terrassendynamik (laut / leise in Blöcken) und Kontraste zwischen Solo und Tutti
- Gleichmäßig treibender Rhythmus, oft aus dem Tanz
- Kunstvoller Kontrapunkt: Kanon, Fuge
Typische Formen
- Oper und Oratorium
- Konzert und Concerto grosso
- Triosonate
- Tanzsuite
- Präludium und Fuge
- Kantate
Instrumente
- Cembalo
- Orgel
- Violinfamilie
- Laute und Barockgitarre
- Blockflöte und Traversflöte
- Frühe Hammerklaviere
Komponisten
- Claudio Monteverdi (1567–1643)
- Antonio Vivaldi (1678–1741)
- Johann Sebastian Bach (1685–1750)
- Georg Friedrich Händel (1685–1759)
- Domenico Scarlatti (1685–1757)
- François Couperin (1668–1733)
- Jean-Philippe Rameau (1683–1764)
- Johann Pachelbel (1653–1706)
- Gaspar Sanz (1640–1710)
Hören und spielen
- Menuett in G-Dur (BWV Anh. 114), vollständig – Johann Sebastian Bach
- Zweistimmige Invention Nr. 1 in C-Dur (BWV 772) – Johann Sebastian Bach
- Präludium Nr. 1 in C-Dur, Das Wohltemperierte Klavier I (BWV 846) – Johann Sebastian Bach
- Kanon in D (Thema und Variationen) – Johann Pachelbel
- Sonate in d-Moll K. 1 (L. 366) – Domenico Scarlatti
- Preludio – Gaspar Sanz (Gitarre)