Motiv und Phrase
Musiktheorie · Musikalische Form · Stufe 3 · 12 Min.
Musik ist organisiert wie Sprache: Zellen (Wörter) bilden Phrasen, diese bilden Absätze, und die bilden ein Werk. Diese Architektur zu verstehen verändert dein Spiel: Du liest nicht mehr nur Noten, sondern erzählst eine Geschichte.
Das Motiv
Ein Motiv ist die kleinste erkennbare musikalische Idee: ein paar Töne, ein Rhythmus, eine Kontur. Das berühmteste der Geschichte eröffnet Beethovens Fünfte Sinfonie: drei wiederholte Töne und ein langer Ton darunter. Der ganze erste Satz wächst daraus.
M:2/4 L:1/8 Q:1/4=108 K:Cm z G G G | !fermata!E4 | z F F F | D4- | !fermata!D4 |]
Ein Motiv entwickeln
Ein Komponist erweckt ein Motiv zum Leben, indem er es verwandelt. Die wichtigsten Techniken:
- Wiederholung: identisch (Nachdruck);
- Sequenz: dasselbe Motiv höher oder tiefer versetzt;
- Umkehrung: Die Intervalle ändern ihre Richtung (was aufstieg, steigt ab);
- Krebs: das Motiv rückwärts gespielt;
- Augmentation / Diminution: Notenwerte verdoppelt oder halbiert;
- Abspaltung: Nur ein Stück wird behalten und wiederholt.
M:4/4 L:1/4 K:C "^motif"C D E C | "^sequence"D E F D | "^inversion"c B A c | "^augmentation"C2 D2 | E2 C2 |]
Die Phrase
Eine Phrase ist eine vollständige musikalische Idee, die mit einer Kadenz endet: der grammatische Satz der Musik, oft 4 Takte lang (manchmal 2, 8 oder unregelmäßig). Du erkennst sie mit dem Ohr: An ihrem Ende kannst du atmen. Sänger und Bläser holen dort Luft; der Pianist muss das auch tun, in Gedanken und im Klang.