Periode und Satz
Musiktheorie · Musikalische Form · Stufe 4 · 14 Min.
In der klassischen Musik verbinden sich Phrasen nach zwei großen 8-taktigen Modellen, denen jeder Pianist auf jeder Seite von Haydn, Mozart oder Beethoven begegnet.
Die Periode: Frage und Antwort
Eine Periode besteht aus zwei Phrasen: einem Vordersatz (der Frage), der auf einer schwachen Kadenz endet – oft einem Halbschluss –, und einem Nachsatz (der Antwort), der genauso beginnt, aber auf einer vollkommenen Kadenz endet. Das ideale Beispiel: Beethovens „Ode an die Freude“.
M:4/4 L:1/4 K:C "C"E E F G | "G"G F E D | "C"C C D E | "C"E3/2 "G"D/ D2 | "C"E E F G | "G"G F E D | "C"C C D E | "G"D3/2 "C"C/ C2 |]
Takte 1–4: Der Vordersatz bleibt auf D stehen, über dem Dominantakkord (Halbschluss): Die Musik stellt eine Frage. Takte 5–8: Der Nachsatz wiederholt denselben Anfang und schließt auf C (Ganzschluss): die Antwort. Beginnen beide Phrasen gleich, ist es eine parallele Periode; sonst eine kontrastierende Periode.
Der Satz: Präsentation und Fortführung
Das zweite Modell (der Satz, ein von Arnold Schönberg geprägter Begriff) funktioniert anders:
- Präsentation (Takte 1–4): eine 2-taktige Grundidee, dann ihre Wiederholung (oft auf die Dominante versetzt);
- Fortführung (Takte 5–8): Die Idee zerfällt in kürzere Einheiten, der harmonische Rhythmus beschleunigt sich, und alles drängt zur Kadenz.
M:4/4 L:1/4 K:C "C"c2 e g | e2 c2 | "G7"B2 d f | d2 B2 | "C"c e "F"f a | "Dm"f d "G7"B d | "C/G"e2 "G7"d2 | "C"c4 |]
Das Schema 2 + 2 + 4 erzeugt Schwung: aufstellen, wiederholen, dann aufs Ziel zu beschleunigen. Der Anfang von Beethovens Sonate op. 2 Nr. 1 ist das Lehrbuchbeispiel.
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