Ein Jazz-Leadsheet lesen und spielen
Musiktheorie · Jazzharmonik · Stufe 5 · 14 Min.
Ein Jazz-Chart passt oft auf eine Seite: die Melodie (das Head), die Akkorde, ein paar Formangaben. Alles andere ist mündliche Überlieferung: Stil, Rhythmus, Arrangement. Diese Seite zu lesen heißt zu wissen, was nicht darauf steht.
Jazztypische Symbole
- - = Moll (C-7 = Cm7); Δ = große Septime; ø = halbvermindert; ° = vermindert.
- alt = alterierte Dominante (♭9, ♯9, ♭5, ♭13 nach Belieben); sus = Quarte statt Terz, mit Septime (G7sus).
- Spannungen in Klammern sind Vorschläge: C7(♭9) zeigt die gewünschte Farbe an.
- Zwei Symbole in einem 4/4-Takt = je zwei Schläge, sofern nicht anders angegeben.
Die Form
Finde die Teile (Buchstaben A, B, C), die Wiederholungstakte, die 1. und 2. Klammer, das D.S. (dal segno) und die Coda-Zeichen. Auf der Bühne spielt man das Head, dann Soli über die ganze Form (jeder Durchgang = ein Chorus), dann noch einmal das Head.
Swing
Achtelnoten werden gerade notiert, aber ungleich gespielt, lang-kurz, nah an einem Triolenrhythmus (Viertel + Triolenachtel). Die Schläge 2 und 4 werden leicht betont (dort schnippt das Jazzpublikum mit den Fingern!). Am Klavier entsteht der Swing vor allem aus der linken Hand und rhythmischer Präzision.
Comping
Comping (von accompanying, begleiten) bedeutet, Akkorde rhythmisch und dezent zu setzen, im Dialog mit dem Solisten. Der „Charleston“-Rhythmus ist ein idealer Ausgangspunkt:
M:4/4
L:1/8
Q:1/4=132
%%staves {RH LH}
V:RH clef=treble
V:LH clef=bass
K:C
[V:RH] "Dm7"[FAce]3 [FAce] z4 | "G7"[FABe]3 [FABe] z4 | "Cmaj7"[EGBd]3 [EGBd] z4 |]
[V:LH] D,2 E,2 F,2 ^F,2 | G,2 F,2 E,2 D,2 | C,8 |]
Die rechte Hand spielt Rootless Voicings, die linke Hand einen Walking Bass (eine Basslinie in Vierteln): D E F Fis → G, eine chromatische Annäherung an den nächsten Grundton.
Soloklavier
Ohne Bassisten kombinierst du: Bass (oder Shell) in der linken Hand, Melodie + ein oder zwei Akkordtöne in der rechten. Bei langsamen Tempi kommen Arpeggien dazu, bei schnellen kurze Akkorde („Stabs“).