Das Gleichgewicht zwischen den Händen
· Anschlag und Klang · Stufe 3 · 12 Min.
Voicing betrifft nicht nur die rechte Hand. Das Gleichgewicht zwischen beiden Händen ändert sich ständig: Mal wandert die Melodie in die linke Hand, mal unterhalten sich beide Hände auf Augenhöhe, wie zwei Stimmen in einer Bach-Invention. Ein Pianist muss jeder Hand eine unabhängige Lautstärke geben können.
Warum das schwierig ist
Das Gehirn liebt Symmetrie: Spielt eine Hand laut, zieht die andere gern mit. Außerdem spielt die linke Hand im Bass, wo die Saiten länger und resonanter sind; bei gleicher Kraft übertönt sie leicht die rechte. Und schließlich ist bei den meisten die dominante Hand (oft die rechte) „gesprächiger“.
Übung 1 – gekreuzte Dynamik
- Spiel eine C-Dur-Tonleiter über eine Oktave mit beiden Händen zusammen, rechte Hand f, linke Hand p.
- Tausch: links f, rechts p.
- Nächste Stufe: Crescendo in der einen Hand und gleichzeitig Diminuendo in der anderen.
Übung 2 – Melodie im Bass
Hier liegt die Melodie in der linken Hand: Die rechte spielt wiederholte pp-Akkorde auf den leichten Zählzeiten. Hör auf den Bass, als wäre er ein Cello.
M:3/4
L:1/4
Q:1/4=80
%%staves {RH LH}
V:RH clef=treble
V:LH clef=bass
[V:RH] !pp!z [EG] [EG] | z [FA] [FA] | z [DG] [DG] | z [EG] [EG] |]
[V:LH] !mf!C,3 | F,2 A, | G,2 B,, | C,3 |]
Übung 3 – ein Dialog auf Augenhöhe
In einem Kanon wie Bruder Jakob, mit zwei Händen gespielt (die linke setzt zwei Takte nach der rechten ein), sollte jeder Einsatz des Themas leicht hervorgehoben werden und dann zurücktreten, wenn die andere Hand das Thema übernimmt.
- Eine zu schwere linke Hand im Bass (besonders mit Pedal, das die tiefe Lage verstärkt).
- Eine rechte Hand, die immer der Dynamik der linken „folgt“.
- Nur auf die Hand mit der Melodie hören: Du musst auf das Gesamtergebnis hören.