Rhythmusgitarre improvisieren: Folk, Funk, Reggae und Swing

· Gitarre: Rhythmus und Fingerstyle · Stufe 3 · 25 Min.

Ein Gitarrist verbringt den größten Teil seines Lebens mit Begleiten. Begleiten heißt nicht, ein starres Muster zu wiederholen: Es heißt, mit dem Rhythmus zu improvisieren und zu entscheiden, wann man anschlägt, wie lange man klingen lässt, welche Saiten man spielt und welche Form man verwendet. Jazzmusiker nennen das Comping, von „complementing“: Du ergänzt den Sänger oder den Solisten.

Das Pendelprinzip

In fast allen Stilen bewegt sich die Anschlagshand ununterbrochen: abwärts auf den Schlägen, aufwärts auf den Offbeats (in Achteln) oder auf jeder Sechzehntel (im Funk). Du entscheidest nicht über die Bewegung, nur über die Momente, in denen das Plektrum die Saiten berührt. Genau so kannst du improvisieren, ohne je aus dem Takt zu kommen. Notation: ⊓ = Abschlag, V = Aufschlag.

1. Folk und Pop: improvisiertes Schlagmuster

M:4/4
L:1/8
Q:1/4=92
K:G clef=treble-8
"G"!downbow![G,B,DGBg]2 !downbow![G,B,DGBg] !upbow![G,B,DGBg] z !upbow![G,B,DGBg] !downbow![G,B,DGBg] !upbow![G,B,DGBg] | "C"!downbow![CEGce]2 !downbow![CEGce] !upbow![CEGce] z !upbow![CEGce] !downbow![CEGce] !upbow![CEGce] |]

Die Pause auf Schlag 3 ist ein „Geister“-Schlag: Die Hand geht nach unten, ohne die Saiten zu berühren. Improvisiere ausgehend von diesem Modell: nur der Basston auf Schlag 1, Akzente auf 2 und 4, mit dem Handballen gedämpfte Schläge, kleine sus4-Verzierungen innerhalb der Form (siehe vorige Lektion).

2. Funk: Sechzehntel und Dreiklangsgriffe

Die Hand schwingt in Sechzehnteln, ganz locker, das Handgelenk bewegt sich wie ein Scheibenwischer. Du spielst kleine Akkorde auf den drei hohen Saiten, dazu gedämpfte Schläge (×: Die Greifhand lässt den Druck los, ohne die Saiten zu verlassen). Hier der dorische Vamp Em7 – A9: Nur ein Finger bewegt sich (Bund 7 → 6 auf Saite 3).

M:4/4
L:1/16
Q:1/4=92
K:Em clef=treble-8
"Em7"[dgb]2 !style=x![dgb] [dgb] z2 [dgb]2 !style=x![dgb]2 [dgb] z [dgb]2 z2 | "A9"[^cgb]2 !style=x![cgb] [cgb] z2 [cgb]2 !style=x![cgb]2 [cgb] z [cgb]2 z2 |]
e |-7---x--7------7---x---7----7------|-7---x--7------7---x---7----7------|
B |-8---x--8------8---x---8----8------|-8---x--8------8---x---8----8------|
G |-7---x--7------7---x---7----7------|-6---x--6------6---x---6----6------|
D |-----------------------------------|-----------------------------------|
A |-----------------------------------|-----------------------------------|
E |-----------------------------------|-----------------------------------|

Im Funk ist weniger mehr: Ein einziger gut platzierter Schlag auf dem „und“ von Schlag 2 kann den ganzen Groove tragen. Improvisiere, indem du die Akzente verschiebst, nie das Pendel.

3. Reggae und Ska: der Offbeat

Im Reggae spielt die Gitarre einen kurzen Akkord (den Skank) auf den Schlägen 2 und 4, als Aufschlag auf den hohen Saiten; die Greifhand lässt sofort los, um den Klang abzuschneiden. Im schnelleren Ska fällt der Akkord auf jeden Offbeat („und“). Der Vamp Am – D passt zur modalen Begleitung in a-Moll.

M:4/4
L:1/8
Q:1/4=76
K:Am clef=treble-8
"Am"z2 !upbow![cea] z z2 !upbow![cea] z | "Am"z2 !upbow![cea] z z2 !upbow![cea] z | "D"z2 !upbow![d^fa] z z2 !upbow![dfa] z | "D"z2 !upbow![d^fa] z z2 !upbow![dfa] z |]
e |-------5-----------5----|-------5-----------5----|-------5-----------5----|-------5-----------5----|
B |-------5-----------5----|-------5-----------5----|-------7-----------7----|-------7-----------7----|
G |-------5-----------5----|-------5-----------5----|-------7-----------7----|-------7-----------7----|
D |------------------------|------------------------|------------------------|------------------------|
A |------------------------|------------------------|------------------------|------------------------|
E |------------------------|------------------------|------------------------|------------------------|

4. Swing: Freddie Greens „Four to the Bar“

Freddie Green, fast fünfzig Jahre lang Gitarrist im Orchester von Count Basie, spielte so gut wie nie ein Solo: Er spielte vier Viertel pro Takt, kurz und gleichmäßig, mit dreistimmigen Akkorden (Grundton, Terz, Septime) auf den tiefen Saiten. Diese „Shells“ gehen mit möglichst wenig Bewegung ineinander über.

M:4/4
L:1/4
Q:1/4=120
K:C clef=treble-8
"Dm7"[DFc] [DFc] [DFc] [DFc] | "G7"[G,FB] [G,FB] [G,FB] [G,FB] | "Cmaj7"[CEB] [CEB] [CEB] [CEB] | "Am7"[A,Gc] [A,Gc] [A,Gc] [A,Gc] |]

Hör auf die Mittelstimmen: F bleibt von Dm7 zu G7 liegen und fällt dann auf E; C fällt auf H und bleibt dort. Dämpf jeden Akkord kurz nach dem Anschlag leicht ab: Der Klang soll wie Kontrabass und Hi-Hat in einem sein.

Übung Schritt für Schritt

  1. Folk: Halte über der Pop-Begleitung in G das Achtelpendel in Gang und wechsle alle vier Takte das Muster, ohne anzuhalten.
  2. Funk: Spiel über der modalen Begleitung in e-Moll zuerst nur gedämpfte Sechzehntel-Schläge und lass dann an verschiedenen Stellen einen Akkord „herausspringen“.
  3. Reggae: Spiel über der modalen Begleitung in a-Moll den Skank auf 2 und 4, wechsle dann zu Ska (jeder Offbeat) und wieder zurück.
  4. Swing: Über der Jazz-Begleitung in C vier Viertel pro Takt mit den Shells. Dann variieren: zwei Viertel und ein vorgezogener Akkord auf dem „und“ von Schlag 4.

Hör auf Bass und Schlagzeug. Ein guter Begleiter spielt mit der Rhythmusgruppe: Er lässt dem Sänger Raum, hält sich während seiner Phrasen zurück und füllt die Lücken. Weniger zu spielen ist oft die beste Improvisation.

Häufiger Fehler: die Anschlagshand in Pausen anhalten. Genau dadurch fängt das Tempo an zu humpeln. Der Arm bewegt sich immer weiter; nur die Saiten bleiben unberührt.

✓ Zum Quiz der Lektion

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