Die Akkordwechsel spielen: Zieltöne in den Formen

· Gitarre: auf dem ganzen Griffbrett improvisieren · Stufe 4 · 20 Min.

Die Pentatonik „funktioniert“ über fast allem, aber sie folgt nicht den Akkorden: Sie schwebt über der Akkordfolge. Damit der Zuhörer in deiner Melodie die Wechsel hört, musst du die Akkordtöne ansteuern, vor allem die Terzen, auf schweren Zählzeiten. Gute Nachricht für Gitarristen: Die Akkordform, die du schon kennst, liegt unter deinen Fingern. Die Zieltöne stecken darin.

1. Eine Pop-Akkordfolge: G – D – Em – C

AkkordTöne (1 – 3 – 5)Die Terz in der offenen Form
GG – H – DH: leere Saite 2 oder Saite 5, Bund 2
DD – Fis – AFis: Saite 1, Bund 2
EmE – G – HG: leere Saite 3
CC – E – GE: leere Saite 1 oder Saite 4, Bund 2

Hier ist eine Melodielinie, bei der jeder erste Schlag auf einen Akkordton fällt; die Durchgangstöne stammen aus der G-Dur-Pentatonik.

M:4/4
L:1/8
Q:1/4=88
K:G clef=treble-8
"G"B2 d B A G A B | "D"A4 F2 A2 | "Em"G2 B G E2 G A | "C"G4 E4 |]

2. Verzierungen innerhalb der Akkordform

Im Soul und R&B der 1960er improvisierten Gitarristen innerhalb des Akkords: Sie behielten die Form und setzten einen Finger dazu oder hoben ihn ab, um kleine Melodien zu erzeugen (sus4, sus2, Sexte…). Die Rhythmusgitarre beginnt zu singen.

M:4/4
L:1/8
Q:1/4=84
K:D clef=treble-8
"D"[DAdf]2 "Dsus4"[DAdg]2 "D"[DAdf]2 "Dsus2"[DAde]2 | "A"[A,EAc]2 "Asus4"[A,EAd]2 "A"[A,EAc]2 "Asus2"[A,EAB]2 |]

Über D: Der kleine Finger fügt G hinzu (Bund 3, Saite 1), dann hebst du den Mittelfinger ab und lässt das leere E klingen. Über A: dasselbe Spiel auf Saite 2 (Bund 3, dann leer).

3. Den Bluesharmonien folgen

Über einem Blues reicht die Moll-Pentatonik, um „bluesig“ zu klingen, aber wer die Terz jedes Akkords ansteuert, macht die Form hörbar. In A: Cis über A7, Fis über D7, Gis über E7. Und die Blue Note C wird zur Septime von D7: ein Ton, zwei Rollen.

M:4/4
L:1/8
Q:1/4=92
K:A clef=treble-8
"A7"=c^c e a =g e ^c A | "D7"=c2 A F D4 | "E7"=G^G B e d B ^G E | "A7"A8 |]

Takt 1: C → Cis, die „blaue“ Terz löst sich auf. Takt 2: C (die Septime von D7), dann Fis (seine Terz). Takt 3: G → Gis über E7, dieselbe Geste wie in Takt 1.

Übung Schritt für Schritt

  1. Starte die Pop-Begleitung in G. Spiel jeden Akkord in seiner offenen Form als Arpeggio, ein Ton pro Achtel, und folge den Wechseln.
  2. Spiel nur die Terz jedes Akkords, als ganze Note, auf dem Wechsel. Hör, wie diese Linie allein die Akkordfolge „zeichnet“.
  3. Setz vor jede Terz zwei oder drei Pentatonik-Töne, um sie anzusteuern.
  4. Improvisiere frei mit einer einzigen Regel: bei jedem Akkordwechsel ein Akkordton auf dem ersten Schlag.
  5. Mach dasselbe über dem Blues in A mit den Terzen Cis, Fis, Gis.

Sieh den Akkord unter der Tonleiter. Behalte beim Improvisieren eine „Geister“-Akkordform unter der Hand: Deine Zieltöne liegen dort, wo deine Finger landen würden, um den Akkord anzuschlagen.

Häufiger Fehler: die Akkordtöne ansteuern, aber zu spät ankommen. Der Zielton muss auf den Wechsel fallen, nicht einen Takt danach. Denk voraus: Denk schon ab dem Ende des aktuellen Takts an den nächsten Akkord.

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