Die Lagen verbinden: Akkordformen und CAGED

· Gitarre: auf dem ganzen Griffbrett improvisieren · Stufe 4 · 20 Min.

Fünf einzelne Lagen zu kennen reicht nicht: Du musst dich ohne Nachdenken zwischen ihnen bewegen. Das Geheimnis: Erkenne, dass jede Pentatonik-Lage eine Akkordform umschließt. Das ist das Prinzip des CAGED-Systems: Wenn du den Akkord siehst, siehst du die Tonleiter und weißt, wo die „sicheren“ Töne liegen. Damit die Diagramme unterhalb des 12. Bunds lesbar bleiben, arbeitet diese Lektion in e-Moll (E, G, A, H, D).

Fünf Lagen, fünf Akkorde

LageBündee-Moll-AkkordformGrundtöne (E)
10 – 3 (und 12 – 15)Em-Form (der offene Akkord)6. S. Bd. 0, 4. S. Bd. 2, 1. S. Bd. 0
22 – 5Dm-Form4. S. Bd. 2, 2. S. Bd. 5
34 – 8Cm-Form5. S. Bd. 7, 2. S. Bd. 5
47 – 10Am-Form5. S. Bd. 7, 3. S. Bd. 9
59 – 12Gm-Form6. S. Bd. 12, 3. S. Bd. 9, 1. S. Bd. 12

Die ersten vier Formen lassen sich leicht als Akkorde greifen:

Die g-Moll-Form (Lage 5) ist als voller Akkord unhandlich: Merk dir einfach ihre drei Grundtöne. Achte auf die Reihenfolge der Formen nach oben: E, D, C, A, G, dann wieder E. Das ist die Reihenfolge des Worts CAGED (C-A-G-E-D), ab E im Kreis gelesen, und sie ändert sich nie, egal in welcher Tonart.

Drei Arten, die Lagen zu verbinden

  1. Der Slide: Wechsle von einer Lage zur nächsten, indem du auf einer einzigen Saite rutschst (zum Beispiel Saite 1, Bund 3 → 5: von Lage 1 zu Lage 2). Ein Slide ist zugleich Lagenwechsel und Ausdrucksmittel.
  2. Die Diagonale: Spiel drei Töne pro Saite, wobei deine Hand auf jeder Saite zwei oder drei Bünde höher rückt. So durchquerst du zwei Oktaven und alle Lagen in einer Bewegung (Beispiel unten).
  3. Der Oktavsprung: Spiel ein Motiv in einer Lage und dann dasselbe Motiv eine Oktave höher in einer anderen (zum Beispiel Lage 1 → Lage 4). Der Zuhörer hört die Intensität steigen; der Solist „hebt ab“.
M:4/4
L:1/8
Q:1/4=76
K:Em clef=treble-8
"Em"E, G, A, B, D E G A | B d e g a b d' e' | e'8 |]
e |------------------------|----------------------10--12-|-12~--------------------|
B |------------------------|--------------10--12---------|------------------------|
G |------------------------|----7--9--12-----------------|------------------------|
D |-------------------5--7-|-9---------------------------|------------------------|
A |----------2--5--7-------|-----------------------------|------------------------|
E |-0--3--5----------------|-----------------------------|------------------------|

Diese Diagonale führt von Lage 1 (Leersaiten) bis Lage 5 (12. Bund). Spiel sie langsam, rutsch bei jedem Saitenwechsel mit dem Zeigefinger, und steig dann wieder ab.

Dieselbe Idee in Dur

G-Dur ist die Parallele von e-Moll: Seine fünf CAGED-Formen (G, E, D, C, A) liegen in denselben fünf Lagen. Zum Beispiel wohnt der G-Barré-Akkord in E-Form (3. Bund) in Lage 2. Steht das Stück in Dur, zielst du auf die Töne des Durakkords; in Moll auf die des Mollakkords. Die Tonleiterformen selbst bleiben, wo sie sind.

Übung Schritt für Schritt

  1. Erst der Akkord, dann die Tonleiter: Greif die e-Moll-Akkordform von Lage 1 und improvisiere zwei Takte darum herum. Wechsle zur D-Form, zwei Takte, und so weiter. Nutze die modale Begleitung in e-Moll.
  2. Ein Chorus = ein Aufstieg: Beginne eine Improvisation in Lage 1 und erreiche bis zum Ende des Chorus Lage 5, mit mindestens zwei Slides.
  3. Das reisende Motiv: Erfinde ein Motiv aus drei oder vier Tönen und spiel es in allen fünf Lagen auf genau derselben Tonhöhe, dann in der Oktave.
  4. Augen zu: Improvisiere eine Minute lang, ohne aufs Griffbrett zu schauen; orientiere dich nur an den Grundtönen.

In Akkorden denken, in Tonleitern spielen. Die großen Gitarrenimprovisatoren (von Django Reinhardt bis Eric Clapton) sehen immer eine Akkordform unter ihren Fingern. Die Tonleiter ist nur die Verzierung um den Akkord herum.

Häufiger Fehler: die Lagen wie eine Treppe rauf und runter laufen, immer in derselben Reihenfolge. Ziel ist nicht, das Griffbrett abzuklappern, sondern die Lage zu wählen, die zur Phrase passt: tief für Intimität, hoch für den Höhepunkt des Solos.

✓ Zum Quiz der Lektion

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