Blues-Gitarre: Bendings, Slides und Phrasierung
· Gitarre: auf dem ganzen Griffbrett improvisieren · Stufe 3 · 20 Min.
Der Blues ist die Muttersprache der E-Gitarre – und vieler akustischer Gitarren: vom Delta Blues (Charley Patton, Son House) über den Chicago Blues (Muddy Waters, B.B. King, Buddy Guy) bis hin zum Rock. Der Gitarrenkurs stellt die Bluestonleiter und die Ausdruckstechniken vor. Hier setzen wir sie zum Improvisieren ein: wo die Töne zum Ziehen liegen, wie man wie ein Sänger phrasiert und wie man einen anderen Solisten begleitet.
1. Zwei Zuhause auf dem Griffbrett
- Box 1 (5. Bund in A): die Grundlage von allem. Zeigefinger im 5. Bund, Ringfinger im 7., kleiner Finger im 8.
- Die B.B.-King-Box: ein kleines Revier um den Grundton auf Saite 2 (10. Bund in A). G und A auf Saite 2 (Bund 8 und 10), C, Cis und D auf Saite 1 (Bund 8, 9 und 10). Sie enthält die große Terz Cis, die über dem A7-Akkord „süß“ klingt.
2. Die klassischen Bendings (in A, Box 1)
| Saite und Bund | Ausgangston | Bending | Ziel | Wirkung |
|---|---|---|---|---|
| 3., Bund 7 | D (4) | Ganzton | E (5) | Das häufigste: die Quarte steigt zur Quinte |
| 2., Bund 8 | G (♭7) | Ganzton | A (1) | Landet auf dem Grundton: sehr abschließend |
| 1., Bund 8 | C (♭3) | Viertelton | zwischen C und Cis | Die gesangliche „Blue Note“, weder Moll noch Dur |
| 3. Bd. 7 + 2. Bd. 5 | D + E | Ganzton auf der 3. | E + E | Unisono-Bending: Die beiden Saiten treffen sich |
Spiel vor dem Ziehen den Zielton (zum Beispiel E, 9. Bund auf Saite 3), damit du ihn im Ohr hast. Ein unsauberes Bending hört das Publikum als Erstes.
3. Das Vokabular der Hände, in Tabulatur
| Zeichen | Technik | Tipp |
|---|---|---|
| 7b9 | Bending: 7. Bund hochgezogen auf die Tonhöhe des 9. Bunds | Drei Finger schieben gemeinsam; der Daumen hakt sich über den Hals |
| 7b9r7 | Bending und Release | Langsames Zurücklassen bringt den Ton zum „Weinen“ |
| 5h7 / 7p5 | Hammer-on / Pull-off | Der Bindebogen auf Saite 3, Bund 5 → 6 (C → Cis), ist ein Klassiker |
| 5/7 | Slide | Rutsch aus einem oder zwei Bünden darunter in den Zielton |
| ~ | Vibrato | Gleichmäßige Drehung des Handgelenks, nach dem Ton oder oben am Bending |
4. Eine Bluesphrase, zerlegt
Vier Takte über A7, dann D7 (wie die Takte 3 bis 6 eines 12-taktigen Schemas). Spiel die Achtel geswingt, die erste etwas länger als die zweite, wie auf der Shuffle-Begleitung.
M:4/4
L:1/8
Q:1/4=88
K:A clef=treble-8
"A7"{d}e2 e =g e d A2 | =g a =c' ^c' a4 | "D7"=c'2 a =g f2 d2 | d2 =c A- A4 |]
e |------------------------|--------8--9-------------|-8-----------------------|------------------------| B |-------5--8--5----------|-8--10--------10~--------|-------10--8--7----------|------------------------| G |-7b9------------7-------|-------------------------|--------------------7----|-7-----5----------------| D |-------------------7~---|-------------------------|-------------------------|----------7--(7)~-------| A |------------------------|-------------------------|-------------------------|------------------------| E |------------------------|-------------------------|-------------------------|------------------------|
- Takt 1: Bending D → E in Box 1, dann ein Abstieg, der mit Vibrato auf A landet.
- Takt 2: Slide hinauf in die B.B.-King-Box; C (die „blaue“ Terz) geht nach Cis (die große Terz von A7) und ruht dann auf A.
- Takt 3: Der Akkord wird zu D7. Dasselbe C ist jetzt die Septime des Akkords, und die Phrase fällt auf Fis, seine Terz.
- Takt 4: zurück in Box 1, Schluss auf einem gehaltenen A.
5. Phrasieren wie ein Sänger
- AAB-Form: Bluestexte folgen oft diesem Muster (eine Zeile, ihre Wiederholung, die Antwort). Mach es über 12 Takte genauso: eine 4-taktige Phrase, eine variierte Wiederholung, dann eine abschließende Antwort.
- Nach dem Schlag einsetzen: Wer eine Phrase auf dem „und“ von Schlag 1 oder auf Schlag 2 beginnt, lässt die Form atmen.
- Ein Ton genügt: Ein einziges Bending, mit verschiedenen Rhythmen wiederholt, kann einen ganzen Chorus tragen.
- Dynamik: Schlag härter oder weicher an, nahe am Steg oder über dem Hals. Der Ton lebt genauso in der rechten wie in der linken Hand.
6. Die andere Hälfte des Blues: der Shuffle-Rhythmus
Wenn du begleitest, spiel dieses Muster (das „Boogie“- oder „Jimmy Reed“-Pattern) auf den tiefen Saiten, leicht mit dem Handballen abgedämpft. Ein Finger wechselt zwischen Quinte und Sexte jedes Akkords.
M:4/4 L:1/8 Q:1/4=96 K:A clef=treble-8 "A7"[A,E]>[A,E] [A,F]>[A,F] [A,E]>[A,E] [A,F]>[A,F] | "D7"[DA]>[DA] [DB]>[DB] [DA]>[DA] [DB]>[DB] | "E7"[E,B,]>[E,B,] [E,C]>[E,C] "D7"[DA]>[DA] [DB]>[DB] | "A7"[A,E]>[A,E] [A,F]>[A,F] "E7"[E,B,]2 z2 |]
Über D setzt die Tabulatur das H auf die leere 2. Saite; du kannst es auch im 4. Bund auf Saite 3 spielen, direkt neben dem 2. Bund.
Übung Schritt für Schritt
- Starte die Blues-Begleitung in A. Spiel einen Chorus lang nur das Bending D → E auf Saite 3, mit verschiedenen Rhythmen.
- Nächster Chorus: Antworte mit dem Bending auf Saite 2 (G → A), das abschließt.
- Lerne die viertaktige Phrase oben und improvisiere dann eine viertaktige Antwort (AAB-Form).
- Such auf jedem Akkord seine Terz: Cis über A7, Fis über D7, Gis über E7. Setz sie auf den ersten Schlag des Wechsels.
- Nimm einen Chorus Shuffle-Begleitung auf und improvisiere dann über deine eigene Rhythmusspur.
Das Vibrato ist deine Unterschrift. B.B. King, Albert King oder Peter Green erkennt man an einem einzigen gehaltenen Ton. Übe ein langsames, weites Vibrato, dann ein schnelles, enges, und wähl je nach Gefühl.
Häufiger Fehler: schnelle Läufe auf der Bluestonleiter aneinanderreihen, ohne je Pausen zu lassen. Der Blues ist ein Gespräch: Jede Phrase verlangt nach einer Antwort… und manchmal ist die beste Antwort, die Rhythmusgruppe sprechen zu lassen. Auf einer klassischen Gitarre (mit Nylonsaiten) ersetzt du Bendings durch Slides und Bindungen.
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