Die fünf Lagen der Pentatonik
· Gitarre: auf dem ganzen Griffbrett improvisieren · Stufe 3 · 20 Min.
Im Gitarrenkurs hast du Box 1 der Pentatonik gelernt. Sie ist ein hervorragender Ausgangspunkt… und eine Falle: Viele Gitarristen bleiben jahrelang darin gefangen, und am Ende klingen alle ihre Soli gleich. Die Moll-Pentatonik wird in Wirklichkeit in fünf Lagen gespielt, die ineinandergreifen und das ganze Griffbrett abdecken. Wer sie kennt, kann überall improvisieren, tief oder hoch, und die Lage wählen, die der Phrase am besten dient.
Die fünf Lagen in a-Moll
Zur Erinnerung: Die a-Moll-Pentatonik enthält A, C, D, E, G (Stufen 1, ♭3, 4, 5, ♭7). Jede Lage enthält genau diese fünf Töne, zwei pro Saite, innerhalb von vier oder fünf Bünden. Die Bünde sind von Saite 6 (tiefes E) bis Saite 1 (hohes E) angegeben.
| Lage | 6. | 5. | 4. | 3. | 2. | 1. | Wo liegen die A? |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 1 | 5 – 8 | 5 – 7 | 5 – 7 | 5 – 7 | 5 – 8 | 5 – 8 | 6. S. Bd. 5, 4. S. Bd. 7, 1. S. Bd. 5 |
| 2 | 8 – 10 | 7 – 10 | 7 – 10 | 7 – 9 | 8 – 10 | 8 – 10 | 4. S. Bd. 7, 2. S. Bd. 10 |
| 3 | 10 – 12 | 10 – 12 | 10 – 12 | 9 – 12 | 10 – 13 | 10 – 12 | 5. S. Bd. 12, 2. S. Bd. 10 |
| 4 | 12 – 15 | 12 – 15 | 12 – 14 | 12 – 14 | 13 – 15 | 12 – 15 | 5. S. Bd. 12, 3. S. Bd. 14 |
| 5 | 3 – 5 | 3 – 5 | 2 – 5 | 2 – 5 | 3 – 5 | 3 – 5 | 6. S. Bd. 5, 3. S. Bd. 2, 1. S. Bd. 5 |
Drei Orientierungspunkte, um dir das Puzzle einzuprägen:
- Die Lagen überlappen sich: Auf jeder Saite ist der höchste Ton einer Lage der tiefste Ton der nächsten. Du wechselst nie die „Tonleiter“, nur deinen Blickwinkel.
- Der Versatz an der H-Saite: Zwischen Saite 3 und 2 liegt eine große Terz (keine Quarte). Die Formen rutschen auf den Saiten 2 und 1 deshalb um einen Bund nach oben – darum ist keine Lage perfekt „quadratisch“.
- Der Zwölf-Bünde-Zyklus: Nach Lage 4 liegt Lage 5 in den Bünden 15 bis 17, dann kehrt Lage 1 im 17. Bund zurück, eine Oktave höher. Lage 5 gibt es auch unterhalb von Lage 1 (Bünde 2 bis 5): Das ist die in der Tabelle.
Um die Tonart zu wechseln, verschiebst du das ganze System: Lage 1 beginnt immer auf dem Grundton auf Saite 6. e-Moll: Bund 0 (Leersaiten) oder 12; g-Moll: Bund 3; d-Moll: Bund 10.
Lage 1 auf und ab
Auf die Noten dieser Lektion folgt jeweils eine von Hand geschriebene Tabulatur mit den tatsächlichen Bünden der Lage (die automatische Tabulatur der Website wählt immer die tiefste Lage, mit Leersaiten).
M:4/4 L:1/8 Q:1/4=80 K:Am clef=treble-8 A, C D E G A c d | e g a c' a g e d | c A G E D C A,2 |]
e |------------------------|-------5--8--5----------|------------------------| B |------------------------|-5--8-----------8--5----|------------------------| G |-------------------5--7-|----------------------7-|-5----------------------| D |-------------5--7-------|------------------------|----7--5----------------| A |-------5--7-------------|------------------------|----------7--5----------| E |-5--8-------------------|------------------------|----------------8--5----|
Eine Phrase, zwei Landepunkte
Hier ist eine Phrase in Lage 2 (Bünde 7 bis 10). Über dem a-Moll-Akkord landet sie auf A; über dem C-Akkord endet dieselbe Phrase auf C. Nur der letzte Ton ändert sich, und doch verschiebt sich die ganze Farbe.
M:4/4 L:1/8 Q:1/4=84 K:Am clef=treble-8 "Am"d'2 c' a g a c' a | g e d c A4 | "C"d'2 c' a g a c' a | g e d e c4 |]
e |-10----8-------------8-----|-------------------------|-10----8-------------8-----|------------------------| B |----------10--8--10-----10-|-8-----------------------|----------10--8--10-----10-|-8----------------------| G |---------------------------|----9--7-----------------|---------------------------|----9--7--9-------------| D |---------------------------|----------10--7~---------|---------------------------|-------------10~--------| A |---------------------------|-------------------------|---------------------------|------------------------| E |---------------------------|-------------------------|---------------------------|------------------------|
Die Dur-Parallele: gleiche Formen, anderes Zentrum
Die C-Dur-Pentatonik (C, D, E, G, A) enthält genau dieselben Töne wie die a-Moll-Pentatonik. Die fünf Formen sind also identisch: Nur der Ton, auf dem du landest, ändert sich. Eine Orientierung für Gitarristen: Auf jeder Saite liegt der Grundton der Dur-Parallele drei Bünde über dem Moll-Grundton (A im 5. Bund → C im 8. Bund). Lage 2 wird dann zur Dur-„Box 1“, mit C unter dem Zeigefinger auf Saite 6.
| Backing-Track | Denk an | Landetöne |
|---|---|---|
| Blues in A | a-Moll-Pentatonik (Lagen um den 5. Bund) | A, C, E |
| Pop in C | C-Dur-Pentatonik: dieselben Formen wie a-Moll | C, E, G |
| Blues in A, mit Country- oder B.B.-King-Flair | A-Dur-Pentatonik = fis-Moll: dieselben Formen, drei Bünde tiefer (Lage 1 im 2. Bund) | A, Cis, E |
Über demselben Blues zwischen a-Moll- und A-Dur-Pentatonik zu wechseln ist eines der Geheimnisse des bittersüßen Klangs der großen Bluesmusiker: Moll für die Spannung, Dur für die Süße.
Übung Schritt für Schritt
- Spiel jede Lage in Achteln auf und ab, mit Metronom (60 pro Viertel). Sag vor dem Start laut „Lage 2“, „Lage 3“…
- Ein Chorus pro Lage: Starte die Blues-Begleitung in A. Improvisiere einen ganzen Chorus (12 Takte) in Lage 1, den nächsten in Lage 2 und so weiter bis 5.
- Der rote Faden auf der H-Saite: Spiel nur auf Saite 2 alle Töne der Tonleiter vom 1. bis zum 17. Bund (C, D, E, G, A, C…). Das ist der Faden, der die fünf Lagen verbindet.
- Jagd auf die A: Spiel in jeder Lage nur die Grundtöne. Improvisiere dann und beende jede Phrase auf einem von ihnen.
- Wechsle zur Pop-Begleitung in C: dieselben Lagen, aber lass deine Phrasenenden auf C, E und G landen.
Eine Lage pro Woche. Du musst nicht alles auf einmal lernen: Nimm jede Woche eine Lage dazu und verbinde sie mit der, die du schon kennst. Nach einem Monat gehört dir das ganze Griffbrett.
Häufiger Fehler: die fünf Formen als Fingerübungen von unten nach oben lernen, ohne je darin zu improvisieren. Eine Lage ist erst gelernt, wenn du darin über einen Backing-Track eine musikalische Phrase spielen und ihre Grundtöne ohne Nachdenken finden kannst.
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