Vier Arten zu begleiten: Block, gebrochen, Alberti, Walzer

· Begleitung und Klaviersatz · Stufe 3 · 16 Min.

Deine Akkorde kennst du. Aber ein Akkord ist noch keine Begleitung: Er ist Rohmaterial. Wie die linke Hand die Töne des Akkords zeitlich verteilt – ihr Satz oder ihr Begleitmuster –, verändert den Charakter eines Stücks völlig. Dieselbe Melodie kann zur Hymne werden, zum Wiegenlied, zur Mozart-Sonatine oder zum Salonwalzer. In dieser Lektion behalten wir eine Melodie und wechseln nur ihr Gewand.

Die Melodie und ihre Akkorde

Hier ist unsere viertaktige Melodie in C-Dur: C | G | a-Moll, dann F | G, dann C. Wir stecken sie in vier verschiedene Satzweisen.

1. Blockakkorde: Feierlichkeit

Alle Töne des Akkords zusammen, ausgehalten. Das ist der einfachste Satz, ideal für einen Choral, eine Hymne, einen majestätischen Schluss – oder um schnell deine Harmonien zu prüfen. Halte den Akkord im Bereich C2–C4: tiefer wird er matschig, höher kommt er der Melodie in die Quere.

M:4/4
L:1/8
Q:1/4=72
K:C
%%staves {RH LH}
V:RH clef=treble
V:LH clef=bass
[V:RH] "C"e4 d2 c2 | "G"d4 B4 | "Am"c2 e2 "F"a2 f2 | "G"d4 "C"c4 |]
[V:LH] [C,E,G,]8 | [B,,D,G,]8 | [A,,C,E,]4 [A,,C,F,]4 | [B,,D,G,]4 [C,E,G,]4 |]

Achte auf die Umkehrungen: G-Dur mit H im Bass, F-Dur mit A im Bass. Sie verhindern, dass die linke Hand herumspringt, und ergeben eine Basslinie, die sich schrittweise bewegt (C – H – A – H – C).

2. Gebrochene Akkorde: Bewegung

Die Töne des Akkords werden in Achteln aufgefächert. Die Musik beginnt zu fließen, wie ein Wiegenlied oder ein Lied mit Gitarrenbegleitung. Oft ist das der erste „lebendige“ Satz, den man schreiben lernt.

M:4/4
L:1/8
Q:1/4=80
K:C
%%staves {RH LH}
V:RH clef=treble
V:LH clef=bass
[V:RH] "C"e4 d2 c2 | "G"d4 B4 | "Am"c2 e2 "F"a2 f2 | "G"d4 "C"c4 |]
[V:LH] C,E,G,E, C,E,G,E, | G,,B,,D,B,, G,,B,,D,B,, | A,,C,E,C, F,,A,,C,A,, | G,,B,,D,B,, C,E,G,E, |]

3. Alberti-Bass: klassische Eleganz

Benannt nach Domenico Alberti, ist er das Markenzeichen der Klassik (Mozart, Haydn, Clementi). Reihenfolge der Töne: tief – hoch – mittel – hoch. Er steht in enger Lage, direkt unter der Hand, und sorgt für einen leichten, durchgehenden Puls.

M:4/4
L:1/8
Q:1/4=96
K:C
%%staves {RH LH}
V:RH clef=treble
V:LH clef=bass
[V:RH] "C"e4 d2 c2 | "G"d4 B4 | "Am"c2 e2 "F"a2 f2 | "G"d4 "C"c4 |]
[V:LH] C,G,E,G, C,G,E,G, | B,,G,D,G, B,,G,D,G, | A,,E,C,E, A,,F,C,F, | B,,G,D,G, C,G,E,G, |]
Tipp: Ein Alberti-Bass muss im Vergleich zur Melodie pianissimo bleiben. Schreib ihn in der Mittellage und in enger Lage (höchstens eine Quinte oder Sexte), damit die Hand ruhig und locker bleibt. Wechsle lieber die Umkehrung, als die Hand zu verschieben.

4. Walzerbass: „Um-ta-ta“

Im 3/4-Takt: der Bass auf Schlag 1 (tief), der Akkord auf Schlag 2 und 3 (Mitte). Das ist der Schwung von Chopin, Strauss und der französischen Musette. Wir passen die Melodie an den 3/4-Takt an:

M:3/4
L:1/8
Q:1/4=132
K:C
%%staves {RH LH}
V:RH clef=treble
V:LH clef=bass
[V:RH] "C"e4 g2 | "G7"f4 d2 | "C"c4 e2 | "G"d6 | "C"e4 g2 | "F"a4 f2 | "G7"d4 B2 | "C"c6 |]
[V:LH] C,2 [E,G,]2 [E,G,]2 | G,,2 [F,B,]2 [F,B,]2 | C,2 [E,G,]2 [E,G,]2 | G,,2 [D,B,]2 [D,B,]2 | C,2 [E,G,]2 [E,G,]2 | F,,2 [A,C]2 [A,C]2 | G,,2 [F,B,]2 [F,B,]2 | C,2 [E,G,]2 z2 |]

Der große Abstand zwischen Bass (C2 oder G1) und Akkord ist das Herz des Walzers: Die linke Hand „springt“. Eine hervorragende Übung im Schreiben … und im Spielen.

Wie wählst du aus?

SatzCharakterIdeales Tempo
BlockFeierlich, choralartig, abschließendLangsam bis mäßig
GebrochenSanft, fließend, liedhaftJedes Tempo
AlbertiKlassisch, leicht, elegantMäßig bis lebhaft
WalzerTänzerisch, nostalgisch oder brillant3/4, mäßig bis lebhaft
Häufige Fehler: eine überladene linke Hand, die die Melodie ertränkt; zu tief gesetzte Akkorde (unter C2), die nur noch grollen; jeden Takt das Muster wechseln (entscheide dich für eines und bleib mindestens 4 Takte dabei); vergessen, dass das Muster den Akkordwechseln folgen muss, auch mitten im Takt.

Deine Werkstatt

  1. Nimm eine achttaktige Melodie, die du schon geschrieben hast (oder die aus dieser Lektion), und notiere ihre Akkorde, einen oder zwei pro Takt.
  2. Schreib sie in der Piano-Roll viermal hintereinander aus (32 Takte): Blockakkorde, gebrochene Akkorde, Alberti-Bass – und dann im 3/4-Takt mit Walzerbass.
  3. Wähle für den Alberti-Bass die Umkehrungen so, dass die linke Hand innerhalb einer Sexte bleibt.
  4. Hör dir alle vier Fassungen an und gib jeder einen Titel, der ihren Charakter beschreibt („Hymne“, „Wiegenlied“, „Sonatine“, „Walzer“).
  5. Übertrag deine Lieblingsfassung in den ABC-Editor, auf zwei Notensystemen.
  6. Selbstkontrolle: Bleibt die Melodie in jeder Fassung klar im Vordergrund?

✓ Zum Quiz der Lektion

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