Das Dur-ii–V–I und die Guide Tones

Musiktheorie · Jazzharmonik · Stufe 4 · 15 Min.

Hätte der Jazz ein Passwort, wäre es ii–V–I („Zwei-Fünf-Eins“). In C-Dur: Dm7 – G7 – Cmaj7. Prädominante, Dominante, Tonika, mit einem Bass, der in Quinten fällt. Jazzstandards sind daraus gewoben: Du findest ii–V–Is in jeder Tonart, manchmal eins pro Takt. Es sofort in allen zwölf Tonarten spielen zu können, ist Ziel Nummer eins für jeden Jazzpianisten.

Warum Septakkorde?

Im Jazz klingt ein bloßer Dreiklang „unfertig“. Die Grundeinheit ist der Septakkord (oft angereichert mit None, Undezime, Tredezime). Jeder Akkord des ii–V–I hat seine charakteristische Septime: Moll auf ii, Dominant auf V, groß auf I.

Guide Tones

Die beiden Töne, die einen Septakkord bestimmen, sind seine Terz und seine Septime: die Guide Tones (Leitstimmentöne). In einem ii–V–I bilden sie zwei Linien, die sich kaum bewegen:

  • Die Septime von Dm7 (C) fällt einen Halbton zur Terz von G7 (H), die liegen bleibt und zur Septime von Cmaj7 (H) wird;
  • die Terz von Dm7 (F) bleibt liegen und wird zur Septime von G7 (F), die zur Terz von Cmaj7 (E) fällt.
M:4/4
L:1/4
%%staves {RH LH}
V:RH clef=treble
V:LH clef=bass
K:C
[V:RH] "Dm7"[Fc]4 | "G7"[FB]4 | "Cmaj7"[EB]4 |]
[V:LH] D,4 | G,,4 | C,4 |]

Das ist das Rückgrat der gesamten Jazzharmonik: Mit dem Bass und diesen beiden Tönen hörst du die Akkordfolge schon perfekt.

Zugehörige Skalen

Zum Improvisieren passt zu jedem Akkord des Dur-ii–V–I ein Modus der C-Dur-Tonleiter: Dorisch über Dm7, Mixolydisch über G7, Ionisch über Cmaj7. Es sind dieselben sieben Töne! Der Unterschied liegt darin, welche Töne du betonst: Guide Tones und Akkordtöne auf den betonten Zählzeiten.

M:4/4
L:1/8
Q:1/4=120
K:C
"Dm7"D F A c e d c A | "G7"B d f a g f d B | "Cmaj7"c8 |]

Diese Linie arpeggiert Dm7 bis zur None, dann G7 bis zur None ab der Terz H, die sich natürlich zum C auflöst. Spiel sie mit Swing-Feeling: Achtel in Lang-kurz-Paaren, wie ein Triolenrhythmus.

Grundübung: Spiel das ii–V–I absteigend durch den Quintenzirkel: C, F, B, Es, As, Des, Ges, H, E, A, D, G. Linke Hand: Grundtöne; rechte Hand: Guide Tones. Dann tauschen (Septime unten, Terz oben).
Häufiger Fehler: über einem ii–V–I in „drei verschiedenen Skalen“ denken und Tonleitern rauf und runter rasen. Denk lieber in Linien: Steuere bei jedem Akkordwechsel die Guide Tones an.

✓ Zum Quiz der Lektion

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