Entlehnte Akkorde und Moll-Dur-Mischung

Musiktheorie · Tonale Harmonik · Stufe 5 · 13 Min.

C-Dur und c-Moll haben dieselbe Tonika. Nichts hindert uns also daran, in Dur einige Akkorde aus Moll zu entlehnen (und umgekehrt). Das ist die Modusmischung (Variantklänge). Diese entlehnten Akkorde bringen einen plötzlichen Schatten, eine Nostalgie, eine „filmische“ Farbe.

Die häufigsten Entlehnungen (in C-Dur)

AkkordTöneWirkung
iv (Fm)F As Cwehmütige Zärtlichkeit, oft nach IV: F → Fm → C
♭VI (A♭)As C EsGröße, dunkler Glanz
♭VII (B♭)B D FRock, mixolydische Farbe
♭III (E♭)Es G Bheroisch, episch
iiø7 (Dm7♭5)D F As Cabgedunkelte Prädominante vor V
M:4/4
L:1/4
%%staves {RH LH}
V:RH clef=treble
V:LH clef=bass
K:C
[V:RH] "C"[EGc]2 "F"[FAc]2 | "Fm"[F_Ac]2 "C"[EGc]2 | "Ab"[_E_Ac]2 "Bb"[DF_B]2 | "C"[EGc]4 |]
[V:LH] "_I"C,2 "_IV"F,2 | "_iv"F,2 "_I"C,2 | "_bVI"_A,,2 "_bVII"_B,,2 | "_I"C,4 |]

Takte 1-2: der „Moll“-Plagalschluss (IV → iv → I), ein Klassiker in Balladen und Kirchenliedern. Takte 3-4: ♭VI – ♭VII – I, ein triumphaler Aufstieg, den man ständig in Film- und Videospielmusik hört.

Die picardische Terz

Die umgekehrte Entlehnung: Ein Stück in Moll endet auf einem Durakkord. c-Moll… und der Schlussakkord ist C-Dur (mit E). Sehr häufig im Barock (viele Präludien und Fugen von Bach in Moll enden so): ein unerwartetes Licht im allerletzten Moment.

Um die Mischung zu hören: Spiel C – F – C, dann C – Fm – C. Ein einziger Ton ändert sich (A → As), und die ganze Stimmung kippt. Probier es beim Begleiten eines einfachen Liedes aus: Die Wirkung ist sofort da.
Schreibweise: Schreib As (nicht Gis) in f-Moll, und ♭VI schreibt sich As–C–Es. Das ♭ in ♭VI zeigt, dass der Grundton gegenüber der Durtonleiter erniedrigt ist.

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