Tonale Funktionen

Musiktheorie · Tonale Harmonik · Stufe 3 · 12 Min.

Die sieben Akkorde einer Tonart spielen nicht alle dieselbe Rolle. Sie teilen sich in drei große Funktionen auf, wie die Figuren einer Geschichte:

FunktionRolleHauptakkordStellvertreter
Tonika (T)Ruhe, Stabilität, „Zuhause“Ivi, (iii)
Subdominante / Prädominante (S)Entfernung, VorbereitungIVii
Dominante (D)höchste Spannung, Zug zur TonikaV, V7vii°

Die typische tonale Phrase erzählt die Geschichte: Aufbruch (T) → Entfernung (S) → Spannung (D) → Rückkehr (T).

M:4/4
L:1/4
%%staves {RH LH}
V:RH clef=treble
V:LH clef=bass
K:C
[V:RH] "C"[Ec]2 "F"[Fc]2 | "G7"[FB]2 "C"[Ec]2 |]
[V:LH] "_T"[C,G,]2 "_S"[F,A,]2 | "_D"[G,D]2 "_T"[C,C]2 |]

Warum zieht die Dominante so stark?

Der Akkord V enthält den Leitton (H in C-Dur), einen Halbton unter der Tonika: Er „will“ nach oben. Mit der Septime (G7) kommt F hinzu, das zum E fallen will. Zusammen bilden diese beiden Töne einen Tritonus, das instabilste Intervall: Seine Auflösung in den C-Akkord erzeugt dieses unverwechselbare Gefühl des Ankommens.

Stellvertreter: verwandte Akkorde

Zwei Akkorde mit zwei gemeinsamen Tönen können sich oft gegenseitig ersetzen. Am (A–C–E) teilt C und E mit C-Dur: Er hat Tonikafunktion, weicher und wehmütiger (die Tonikaparallele). Dm (D–F–A) teilt F und A mit F-Dur: eine Prädominante, sehr oft vor V verwendet (das berühmte ii–V–I). Der verminderte Dreiklang B° (H–D–F) steckt in G7: eine Dominante ohne Grundton.

Hör auf die Funktion statt auf den Akkord: Sing die Tonika, während jemand eine Akkordfolge spielt. Über Tonikaakkorden klingt sie „richtig und ruhig“; über der Dominante reibt sie und drängt dich weiter.
Rückwärts ist selten: In der klassischen Musik ist S → D äußerst häufig, D → S viel seltener. Ein V gefolgt von IV ergibt einen „Blues“- oder „Rock“-Effekt (und genau deshalb ist es in diesen Stilen so verbreitet!).

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