Sinnvoll aufwärmen

· Gesundheit am Klavier · Stufe 1 · 10 Min.

Sportler beginnen nicht mit einem Sprint. Pianisten auch nicht: Die Muskeln von Unterarm und Hand und die Sehnen, die durchs Handgelenk gleiten, arbeiten aufgewärmt besser. Aufwärmen heißt nicht, sich mit Übungen zu erschöpfen, sondern den ganzen Körper sanft aufzuwecken und die Ohren einzuschalten.

1. Der Körper, weg von der Tastatur (2 Minuten)

  • Schultern: beim Einatmen zu den Ohren hochziehen, beim Ausatmen fallen lassen. Fünfmal.
  • Langsames Schulterkreisen, erst nach hinten, dann nach vorn.
  • Arme ausschütteln: im Stehen die Arme hängen lassen und sanft schütteln, als würdest du Wasser abschütteln.
  • Nacken: den Kopf langsam zur einen, dann zur anderen Seite neigen, ohne zu forcieren.
  • Hände: im Winter unter warmes Wasser halten, aneinander reiben; weit öffnen, dann sanft zu einer lockeren Faust schließen.
Kein erzwungenes Dehnen im kalten Zustand. Zieh vor dem Spielen nicht kräftig an den Fingern und biege das Handgelenk nicht bis zum Anschlag. Die Bewegungen sollen weit, sanft und schmerzfrei bleiben.

2. An der Tastatur: lange, langsame Töne (3 Minuten)

Leg jeden Finger auf eine Taste, lass das Gewicht des Arms sinken (siehe Armgewicht), hör dem Ton nach, bis er verklingt, und lass los. Spiel dann diese Gegenbewegungsübung sehr langsam, mit rundem Klang:

M:4/4
L:1/4
Q:1/4=60
K:C
%%staves {RH LH}
V:RH clef=treble
V:LH clef=bass
[V:RH] C D E F | G F E D | C4 |]
[V:LH] C, B,, A,, G,, | F,, G,, A,, B,, | C,4 |]

3. Schrittweise steigern (5 Minuten)

  1. Langsame Tonleitern, Hände getrennt, piano, dann mezzo forte.
  2. Langsame Arpeggien, mit Fokus auf ein lockeres Handgelenk.
  3. Gesetzte Akkorde, zwischen jedem vollständig loslassen.
  4. Erst dann: schnelle Passagen, forte, Oktaven.
Die ersten zehn Minuten sind sanft. Heb dir die anspruchsvollsten Stellen (Oktaven, Forte-Akkorde, weite Griffe) für die Mitte der Übungseinheit auf, wenn dein Körper warm und dein Kopf konzentriert ist.

Aufwärmen und Zuhören

Nutze das Aufwärmen zum Zuhören: die Gleichmäßigkeit der Töne in einer Tonleiter, die Ausgeglichenheit der Finger, die Qualität des Legatos. Wer auf Autopilot aufwärmt, wärmt die Finger, aber nicht die Aufmerksamkeit.

Häufige Fehler:
  • Kalt mit der schwierigsten Stelle des Stücks anfangen.
  • 30 Minuten lang Hanon-artige Übungen schnell und laut spielen, „zum Aufwärmen“: Das ermüdet, statt aufzuwärmen.
  • Mit eiskalten Händen spielen, ohne sie vorher aufzuwärmen.

Deine Routine

Stell dir deine 10-Minuten-Routine zusammen und bleib dabei: 2 Minuten Körperarbeit, 3 Minuten lange Töne, dann eine langsame Tonleiter und ein Arpeggio aus dem Generator. Du kannst auch die Gegenbewegung nutzen (Tonleitern in Gegenbewegung), die sehr symmetrisch und für beide Hände angenehm ist.

✓ Zum Quiz der Lektion

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