Rhythm Changes

Musiktheorie · Jazzharmonik · Stufe 5 · 12 Min.

Nach dem Blues ist die meistgespielte Akkordfolge im Jazz die der Rhythm Changes: die Akkorde von George Gershwins „I Got Rhythm“ (1930). Die Bebop-Musiker der 1940er-Jahre – Charlie Parker, Dizzy Gillespie, Thelonious Monk, Bud Powell – schrieben Dutzende neue Melodien über diese Akkorde (sogenannte Contrafacts). Akkordfolgen gehören niemandem: Diese hier ist Gemeingut des Jazz.

Die 32-taktige AABA-Form

Vier Teile zu je 8 Takten, in B-Dur (der traditionellen Tonart):

TeilAkkorde (2 pro Takt)
A (×2, und nach der Bridge)| B♭ G7 | Cm7 F7 | B♭ G7 | Cm7 F7 | B♭ B♭7 | E♭ E°7 | B♭/F F7 | B♭ (Cm7 F7) |
B (die Bridge)| D7 | D7 | G7 | G7 | C7 | C7 | F7 | F7 |
  • Die A-Teile kreisen durch den Turnaround I – VI – II – V und besuchen dann die IV (Es) mit einem chromatischen Anstieg E♭ → E° → B♭/F.
  • Die Bridge (B) ist eine Kette von Zwischendominanten entlang des Quintenzirkels: III7 – VI7 – II7 – V7, je zwei Takte, mit Landung zurück auf B.

Die ersten vier Takte, mit chromatisch absteigenden Guide Tones:

M:4/4
L:1/4
%%staves {RH LH}
V:RH clef=treble
V:LH clef=bass
K:Bb
[V:RH] "Bbmaj7"[DA]2 "G7"[=B,F]2 | "Cm7"[B,E]2 "F7"[A,E]2 | "Bbmaj7"[A,D]2 "G7"[=B,F]2 | "Cm7"[B,E]2 "F7"[A,E]2 |]
[V:LH] B,,2 G,,2 | C,2 F,,2 | B,,2 G,,2 | C,2 F,,2 |]
Strategie: Die A-Teile rauschen vorbei (zwei Akkorde pro Takt, oft über 200 bpm). Versuch nicht, „jeden Akkord zu spielen“: Denk in B-Dur mit Kontrollpunkten (das H von G7, das A von F7). In der Bridge dagegen dauert jede Dominante zwei Takte: Pfleg die Guide Tones (Fis → F, H → B …).
Die Formfalle: Verlier dich nicht zwischen A und B. Lerne, die Bridge kommen zu hören (D7 mit seinem hellen Fis): Das ist dein wichtigster Orientierungspunkt.

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