Verzierungen: Triller, Mordent, Doppelschlag, Vorschlag
Musiktheorie · Ausdruck: Dynamik, Artikulation, Zeichen · Stufe 4 · 14 Min.
Verzierungen (Ornamente) sind schmückende Töne, die mit einem Symbol abgekürzt notiert werden. Sie stammen aus der Gesangskunst und der barocken Improvisation, bei der die Interpreten die Melodie ausschmückten. Wie man sie spielt, hängt stark von der Epoche ab: Ein Triller bei Bach wird nicht so gespielt wie ein Triller bei Chopin.
Die Zeichen…
M:4/4
L:1/4
Q:1/4=66
K:C
!trill!d2 c2 | !uppermordent!e2 !lowermordent!e2 | !turn!d2 c2 | {d}c2 {/d}c2 | !arpeggio![CEGc]4 |]
… und wie man sie spielt (klassischer Stil)
M:4/4 L:1/16 Q:1/4=66 K:C dede dede c8 | e/f/e7 e/d/e7 | e2d2c2d2 c8 | d4c4 d/c15/2 |]
| Verzierung | Zeichen | So spielst du sie |
|---|---|---|
| Triller | tr (und Wellenlinie) | schneller Wechsel zwischen dem Ton und seinem oberen Nachbarton. Barock: Beginn mit dem oberen Ton, auf dem Schlag. Ab Hummel / in der Romantik: oft ab dem Hauptton. Endet oft mit einem Nachschlag (unterer Ton + Rückkehr). |
| Pralltriller (oberer Mordent) | kurze Wellenlinie | Ton – oberer Nachbar – Ton, sehr schnell |
| Mordent (unterer) | Wellenlinie mit senkrechtem Strich | Ton – unterer Nachbar – Ton |
| Doppelschlag (gruppetto) | liegendes ∽ | oberer Nachbar – Ton – unterer Nachbar – Ton; steht er zwischen zwei Noten, wird er nach der ersten gespielt |
| Langer Vorschlag (Appoggiatur) | kleine Note ohne Strich | „lehnt“ sich auf den Schlag und nimmt einen Teil vom Wert der Hauptnote (meist die Hälfte, vor einer punktierten Note zwei Drittel); ausdrucksvoll, oft dissonant |
| Kurzer Vorschlag (Acciaccatura) | kleine Note mit Strich | so schnell wie möglich gespielt, gegen die Hauptnote „gequetscht“ |
| Arpeggierter Akkord | senkrechte Wellenlinie | Akkord schnell von unten nach oben gebrochen |
Begriffe: Vorsicht, falsche Freunde. Im heutigen Englisch meint mordent oft den oberen Mordent (Pralltriller), während Bachs Mordent historisch der untere ist. Verlass dich auf das Zeichen (mit oder ohne Strich), nicht auf den Namen.
Übemethode: Lerne die Passage zuerst ohne Verzierungen, um Melodie und Puls zu spüren. Füge sie dann langsam hinzu und schreib die Ausführung bei Bedarf in kleinen Noten aus. Eine Verzierung muss ein flexibler Schmuck bleiben: Sie darf nie den Puls verbiegen.
Häufiger Fehler: einen barocken oder klassischen langen Vorschlag wie eine Acciaccatura spielen (zu kurz, vor dem Schlag). Der lange Vorschlag fällt auf den Schlag und ist deutlich zu hören: Er trägt den Ausdruck. Lies das Vorwort von Urtext-Ausgaben, das oft die Verzierungen jedes Komponisten erklärt (Bachs Verzierungstabelle, die von Couperin…).