In Abschnitten üben: Hände getrennt, vom Ende her
· Richtig üben · Stufe 2 · 14 Min.
Niemand lernt eine Sprache, indem er ganze Bücher aufsagt: Man lernt Wörter, dann Wendungen, dann Sätze. Beim Klavier ist es genauso. Üben in Abschnitten (Chunking) heißt, ein Stück in kleine, überschaubare Blöcke zu teilen und diese dann zu immer größeren Blöcken zu verbinden.
Wie du deine Abschnitte wählst
Ein guter Abschnitt entspricht einer musikalischen Einheit: einem Motiv, einer halben Phrase, einem Takt, manchmal nur einem Lagenwechsel der Hand. Schneide nicht willkürlich mitten in einer Bewegung: Schneide dort, wo die Musik atmet. Eine praktische Regel: Ein Abschnitt muss in dein Kurzzeitgedächtnis passen, du musst ihn also nach ein- oder zweimaligem Lesen spielen können, während du auf die Hände schaust.
Nimm diese viertaktige Phrase:
M:4/4
L:1/8
Q:1/4=72
K:C
%%staves {RH LH}
V:RH clef=treble
V:LH clef=bass
[V:RH] E2 G2 c2 e2 | d2 B2 G4 | A2 c2 f2 a2 | g8 |]
[V:LH] C,8 | G,,8 | F,,8 | C,8 |]
Du könntest sie so aufteilen: Block A = Takt 1 + erste Zählzeit von Takt 2; Block B = Takt 2; Block C = Takt 3 + erste Zählzeit von Takt 4. Beachte, dass jeder Block immer um einen Ton in den nächsten hineinreicht: Diese „Brücke“ verhindert, dass die Nähte aufreißen, wenn du die Teile zusammensetzt.
Die Methode der wachsenden Blöcke
- Arbeite an A, bis es sicher sitzt (3-mal ohne Fehler).
- Dasselbe mit B.
- Verbinde A + B.
- Arbeite an C, dann A + B + C.
- Am nächsten Tag werden die Blöcke von gestern zu einem einzigen „Superblock“.
Hände getrennt: wann und wie
Jede Hand allein zu üben lässt dich Fingersatz, Artikulation und Dynamik festlegen, ohne deine Aufmerksamkeit zu überlasten. In Passagen, in denen jede Hand ihre eigene Schwierigkeit hat, ist das unverzichtbar. Aber Vorsicht: Hände getrennt ist eine Etappe, kein Ziel. Das Gehirn muss auch die Koordination lernen, und die ist eine eigene Fähigkeit.
- Linke Hand zuerst: Sie wird oft vernachlässigt, trägt aber Harmonie und Rhythmus.
- Früh zusammensetzen, sobald jede Hand einigermaßen sicher ist, im langsamsten Tempo.
- „Eine Hand spielt, die andere singt“: Spiel die linke Hand und sing dazu die Melodie der rechten. So hörst du schon das Endergebnis.
- Schrittweises Schichten: Die rechte Hand spielt, die linke fügt nur den ersten Ton jedes Takts hinzu, dann alle ihre Töne.
Vom Ende her beginnen
Das ist eine der wirkungsvollsten und am wenigsten genutzten Techniken. Lern zuerst den letzten Abschnitt, dann den vorletzten und den letzten zusammen und so weiter. Wenn du das Stück dann spielst, bewegst du dich immer auf vertrautes Terrain zu, auf immer sicherere Passagen. Das Ende, meist der wackeligste Teil (Ermüdung, Nervosität), wird zum am besten beherrschten.
In unserem Beispiel: Arbeite zuerst an Takt 4, dann an den Takten 3–4, dann 2–4, dann 1–4.
- Zu lange Abschnitte: Wenn du bei jeder Wiederholung die Noten neu lesen musst, ist der Abschnitt zu groß.
- Die Überlappung vergessen: Jeder Block ist perfekt, aber am Übergang stolperst du.
- Wochenlang mit getrennten Händen üben: Die Koordination wird nie trainiert.
Übung
Öffne das Menuett in G-Dur. Teile die ersten acht Takte in vier zweitaktige Blöcke mit Überlappung. Lern sie vom Ende her, erst linke Hand, dann rechte Hand, dann zusammen. Notiere, wie viele Tage es dauert, bis du alle acht Takte am Stück spielen kannst.
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