Paralleltonarten und Varianttonarten
Musiktheorie · Tonleitern und Tonarten · Stufe 3 · 9 Min.
Jede Dur-Tonart hat zwei besonders nahe „Cousins“ in Moll. Du darfst sie auf keinen Fall verwechseln.
Paralleltonarten: gleiche Vorzeichen
C-Dur und a-Moll verwenden dieselben Töne und dieselbe Vorzeichnung: Sie sind Paralleltonarten. Die Tonika der parallelen Molltonart liegt eine kleine Terz unter der Dur-Tonika (sie ist die VI. Stufe).
- G-Dur ↔ e-Moll (1♯)
- F-Dur ↔ d-Moll (1♭)
- Es-Dur ↔ c-Moll (3♭)
Umgekehrt liegt die parallele Durtonart einer Molltonart eine kleine Terz darüber. Der Wechsel in die Paralleltonart ist die sanfteste Modulation überhaupt: Kein Ton ändert sich, nur der Schwerpunkt verschiebt sich.
Varianttonarten: gleiche Tonika
C-Dur und c-Moll beginnen auf demselben Ton, haben aber nicht dieselbe Vorzeichnung (keine / 3 b): Sie sind Varianttonarten (im Französischen tons homonymes, im Englischen „parallel keys“ – Vorsicht, Verwechslungsgefahr!). Der Wechsel zwischen ihnen verändert die Beleuchtung schlagartig, wie eine Wolke, die sich vor die Sonne schiebt.
Hör dir Bruder Jakob in Dur an und dann nach Moll gewendet. Genau das macht Gustav Mahler im dritten Satz seiner 1. Sinfonie: Der Kinderkanon wird zu einem seltsamen, ironischen Trauermarsch.
M:4/4 L:1/4 Q:1/4=90 K:C C D E C | C D E C | E F G2 | E F G2 |]
M:4/4 L:1/4 Q:1/4=70 K:Cm C D E C | C D E C | E F G2 | E F G2 |]
Die Komponisten der Romantik lieben den Wechsel zwischen Dur und Moll auf derselben Tonika: Besonders Schubert lässt eine Melodie oft von Dur nach Moll „kippen“ (oder umgekehrt), um eine ergreifende Wirkung zu erzielen. Man spricht manchmal von Modusmischung oder Entlehnung.
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