Die drei Molltonleitern
Musiktheorie · Tonleitern und Tonarten · Stufe 3 · 13 Min.
Wenn die Dur-Tonleiter Licht ausstrahlt, steht die Moll-Tonleiter für Schatten, Melancholie, Geheimnis oder Dramatik. Ihr Hauptmerkmal: eine kleine Terz zwischen Tonika und III. Stufe (A-C statt A-Cis). Es gibt aber drei Versionen der Molltonleiter, jede mit einer bestimmten Aufgabe.
1. Natürliches Moll
Das sind die Töne der parallelen Dur-Tonleiter, von ihrer 6. Stufe aus: A H C D E F G A. Formel: ganz – halb – ganz – ganz – halb – ganz – ganz.
M:4/4 L:1/4 Q:1/4=90 K:C A B c d | e f g a |]
Ihre 7. Stufe liegt einen Ganzton unter der Tonika: kein Leitton, daher eine weiche, modale, altertümliche Farbe (viel Volksmusik und Pop).
2. Harmonisch Moll
Um die Zugkraft eines Leittons zurückzugewinnen, erhöhen wir die 7. Stufe: G → Gis. Diese Tonleiter liefert die Akkorde einer Molltonart (daher ihr Name).
M:4/4 L:1/4 Q:1/4=90 K:C A B c d | e f ^g a |]
Nebenwirkung: Zwischen F und Gis entsteht eine übermäßige Sekunde (3 Halbtöne), die einen sofort erkennbaren „exotischen“ Beigeschmack gibt.
3. Melodisch Moll
Um eine Melodie ohne diesen seltsamen Sprung singen zu können, erhöhen wir aufwärts auch die 6. Stufe (Fis, Gis). Abwärts braucht man keinen Leitton mehr, also kehren wir zu natürlichem Moll zurück.
M:4/4 L:1/4 Q:1/4=90 K:C A B c d | e ^f ^g a | a =g =f e | d c B A |]
Eine Tonart, drei Tonleitern
In einem Stück in a-Moll wechselt der Komponist je nach Zusammenhang frei zwischen ihnen: Gis in der Nähe der Tonika (Kadenzen), G in einer absteigenden Linie, Fis in einem Aufstieg zum A. Die Vorzeichnung ist immer die von natürlichem Moll (hier: keine); Gis und Fis werden als Versetzungszeichen notiert.
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