Konsonanz und Dissonanz
Musiktheorie · Intervalle · Stufe 4 · 11 Min.
Manche Intervalle klingen stabil und ruhig: Das sind Konsonanzen. Andere erzeugen eine Spannung, die nach einer Fortsetzung verlangt: Das sind Dissonanzen. Eine Dissonanz ist kein „falscher Ton“: Sie ist der Motor der Musik, der Anstoß, der sie in Bewegung hält.
Vergleiche: Die Quinte C-G ist voll und ruhig; die kleine Sekunde C-Cis reibt und kratzt.
Die traditionelle Einteilung
| Kategorie | Intervalle | Charakter |
|---|---|---|
| Vollkommene Konsonanzen | Prime, Oktave, reine Quinte (reine Quarte je nach Zusammenhang) | offen, stabil, „tragend“ |
| Unvollkommene Konsonanzen | Terzen und Sexten (groß und klein) | voll, warm, ausdrucksstark |
| Dissonanzen | Sekunden, Septimen, Tritonus, übermäßige und verminderte Intervalle | gespannt, verlangen nach Auflösung |
Die reine Quarte hat einen zwiespältigen Status: Zwischen zwei Oberstimmen ist sie konsonant, gegenüber dem Bass wird sie im klassischen Stil als Dissonanz behandelt (der berühmte Quartsextakkord, der aufgelöst werden muss).
Warum? Ein bisschen Physik
Konsonante Intervalle entsprechen einfachen Frequenzverhältnissen: Oktave 2:1, Quinte 3:2, Quarte 4:3, große Terz 5:4. Ihre Schwingungen fallen oft zusammen, und ihre Obertöne (die Nebentöne, die in jedem Ton enthalten sind) überlagern sich. Dissonanzen haben komplizierte Verhältnisse (16:15 bei der kleinen Sekunde): Die Wellen stören sich gegenseitig und erzeugen „Schwebungen“.
Auflösung
Eine Dissonanz löst sich meist schrittweise in eine Konsonanz auf. Der Tritonus ist der Paradefall: Die übermäßige Quarte öffnet sich zur Sexte, die verminderte Quinte zieht sich zur Terz zusammen.
M:4/4 L:1/4 Q:1/4=66 K:C "^A4"[FB]2 "^m6"[Ec]2 | "^d5"[Bf]2 "^M3"[ce]2 | "^m7"[G,F]2 "^M3"[CE]2 | "^P4"[CF]2 "^M3"[CE]2 |]
Eine Vorstellung im Wandel
Im Mittelalter galten nur Oktave, Quinte und Quarte als Konsonanzen: Man sang in parallelen Quinten (Organum). Terzen wurden erst in der Renaissance „süß“, durch die englische Musik. Im 19. Jahrhundert ließen Wagner und Debussy Dissonanzen unaufgelöst; im 20. sprach Schönberg von der „Emanzipation der Dissonanz“. Und im Jazz sind Septime und None zu stabilen Farben geworden: Niemanden stört es, auf einem Cmaj9 zu enden.
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