Voicings: enge und weite Lage

Musiktheorie · Akkorde · Stufe 4 · 12 Min.

Ein Voicing ist die konkrete Anordnung der Akkordtöne auf der Tastatur: welche Töne, in welcher Reihenfolge, in welcher Höhe, in welcher Hand. Derselbe Cmaj7 kann je nach Voicing kristallklar, warm, dicht oder luftig klingen.

Enge und weite Lage

  • Enge Lage: Alle Töne passen in eine Oktave, und zwischen benachbarten Stimmen ist kein Platz für einen weiteren Akkordton. Kompakt, klar, leicht mit einer Hand zu spielen.
  • Weite Lage: Die Töne sind über mehr als eine Oktave verteilt. Breiter, „orchestraler“.
M:4/4
L:1/2
%%staves {RH LH}
V:RH clef=treble
V:LH clef=bass
K:C
[V:RH] "Cmaj7"[CEGB]2 | "Cmaj7"[EGBc]2 | "Cmaj7"[B,EGc]2 | "Cmaj7"[EB]2 |]
[V:LH] z2 | z2 | z2 | [C,G,]2 |]

Takt 1: enge Lage, Grundstellung. Takt 2: enge Lage, umgekehrt. Takt 3: Drop 2 — nimm die zweithöchste Stimme (H) und setz sie eine Oktave tiefer; eine Technik, mit der Jazzmusiker ständig ein enges Voicing öffnen. Takt 4: weite Lage, auf beide Hände verteilt (Grundton und Quinte links, Terz und Septime rechts).

Goldene Regeln für Voicings

  1. Unten weit, oben eng. Das spiegelt die Obertonreihe: Im Bass weite Intervalle (Oktaven, Quinten); Terzen und Sekunden gehören in die Mittel- und Oberlage.
  2. Tiefe Intervallgrenzen: Vermeide Terzen unterhalb des C eine Oktave unter dem mittleren C (und Sekunden schon weiter oben): Sie werden zu einem undeutlichen Grummeln.
  3. Der oberste Ton singt: Ihn hört man am meisten. Wähle ihn so, dass er von Akkord zu Akkord eine schöne Linie ergibt.
  4. Bewege dich so wenig wie möglich zwischen den Akkorden: Behalte gemeinsame Töne, bewege die anderen schrittweise.

Hier eine sehr verbreitete Pop-Akkordfolge mit engen Voicings, die sich in der rechten Hand ohne Sprünge verbinden, während die linke Hand die Basstöne hält:

M:4/4
L:1/4
%%staves {RH LH}
V:RH clef=treble
V:LH clef=bass
K:C
[V:RH] "C"[EGc]2 "Am"[EAc]2 | "F"[FAc]2 "G"[DGB]2 | "C"[EGc]4 |]
[V:LH] C,2 A,,2 | F,,2 G,,2 | C,4 |]
Übung: Spiel C – a-Moll – F – G und behalte bei den ersten drei Akkorden C als obersten Ton. Dann fang noch einmal mit E und danach mit G oben an. Du entdeckst drei verschiedene Farben derselben Akkordfolge.
Häufiger Fehler: volle Akkorde in beiden Händen, tief auf der Tastatur. Das Ergebnis ist Matsch. Ein einzelner Basston (oder eine Oktave, oder eine Quinte) in der linken Hand reicht meistens.

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