Oktaven
· Fortgeschrittene Technik · Stufe 5 · 15 Min.
Oktaven sind das Markenzeichen des romantischen Klaviers: Liszt, Tschaikowski, Chopin (Etüde op. 25 Nr. 10, die „Heroische“ Polonaise). Sie scheinen Kraft zu verlangen; in Wirklichkeit brauchen sie vor allem eine stabile Hand und ein freies Handgelenk.
Die Handform
- Daumen und 5. Finger bilden eine feste, aber nicht verspannte „Zange“. Die Hand ist leicht gewölbt, als hielte sie einen großen Apfel.
- Auf schwarzen Tasten nimmst du den 4. Finger (bei großen Händen sogar den 3.) statt des 5.: Das ermöglicht ein Legato in der Oberstimme (5-4-5 oder 4-5) und besseren Halt auf den schwarzen Tasten.
- Die inneren Finger (2, 3) bleiben locker über den Tasten, ohne Spannung.
Drei Arten, Oktaven zu spielen
- Handgelenkoktaven: leicht und schnell. Die Hand federt aus dem Handgelenk, der Unterarm bleibt ruhig. Für Passagen von p bis mf.
- Unterarmoktaven: Die Bewegung kommt aus dem Ellbogen, für forte-Oktaven.
- Armoktaven: Der ganze Arm „fällt“ auf große, einzelne Oktaven, ff.
Im schnellen Tempo kombinierst du sie: eine kleine Handgelenkbewegung, geführt von einer Armbewegung, die die Richtung der Phrase nachzeichnet.
M:4/4 L:1/8 Q:1/4=80 K:C [Cc][Dd][Ee][Ff] [Gg][Ff][Ee][Dd] | [Cc]2 [Ee]2 [Gg]2 [cc']2 |]
Übeplan
- Nur Daumen: Spiel die Linie allein mit dem Daumen und stell dir dabei ein inneres Legato vor.
- Nur 5. (und 4.) Finger: die Oberstimme, mit dem Ziel eines 5-4-Legatos.
- Langsame Oktaven, Handgelenkstaccato, zwischen jeder prüfen, ob du locker bist.
- Gruppen: Spiel schnelle Gruppen von 2, 3, 4 Oktaven mit einem Halt zwischen den Gruppen, wie beim Üben in Abschnitten.
- Chromatische Tonleiter in Oktaven (5 auf weißen, 4 auf schwarzen Tasten) mit dem Generator.
Achtung bei Schmerzen: Oktaven sind die häufigste Ursache für ermüdete Hände. Beim kleinsten Ziehen im Unterarm: aufhören, ausschütteln, später weitermachen. Übe Oktaven nie länger als 5 bis 10 Minuten am Stück. Eine kleine Hand darf die Spannweite nicht „erzwingen“: siehe Verletzungen vorbeugen.
Tipp: Schau bei Lagenwechseln auf den Daumen statt auf den 5. Finger: Der Daumen ist der „Führer“, der 5. folgt von selbst im Oktavabstand.