Mixolydisch und Lydisch: zwei gefärbte Dur-Modi
· Modale und impressionistische Farben · Stufe 4 · 18 Min.
Dorisch hat dir gezeigt, dass ein einziger Ton eine ganze Stimmung verändert. Wenden wir dieselbe Idee auf Dur an. Zwei Dur-Modi sind für Improvisierende unverzichtbar: Mixolydisch, erdig und bluesig, und Lydisch, luftig und verträumt.
| Modus | Formel | Beispiel | Charakteristischer Ton | Farbe |
|---|---|---|---|---|
| Ionisch (Dur) | 1 2 3 4 5 6 7 | C: C D E F G A H | — | stabil, „normal“ |
| Mixolydisch | 1 2 3 4 5 6 ♭7 | G: G A H C D E F | kleine Septime | Rock, Folk, Funk, keltisch |
| Lydisch | 1 2 3 ♯4 5 6 7 | F: F G A H C D E | übermäßige Quarte | hell, schwebend, Filmmusik |
Mixolydisch: das Dur, das sich nicht auflöst
Über einem G7-Akkord klingt die G-Dur-Tonleiter (mit Fis) falsch: Fis reibt sich am F des Akkords. Die richtige Tonleiter ist G-Mixolydisch: die Töne von C-Dur, ab G gespielt. Das F, die kleine Septime, nimmt den Sog des Leittons weg: Die Musik dreht sich vergnügt im Kreis, ohne je zu „schließen“. Typischer Vamp: G – F/G (oder G – F – C – G), zu hören in unzähligen Rocksongs.
M:4/4 L:1/8 Q:1/4=100 K:Gmix "G" B c d e f2 e d | "F/G" c2 A2 G4 | "G" d2 B d f e d B | "F/G" c A F2 G4 |]
Hör auf das F auf einem betonten Schlag (Takt 1, Schlag 3): Es ist die „Signatur“ von Mixolydisch.
Lydisch: die Quarte, die abhebt
Lydisch erhöht die Quarte: Über F spielst du H statt B. Diese übermäßige Quarte (ein Tritonus über der Tonika) beseitigt den einzigen „unbequemen“ Ton von Dur (die Quarte, die sich an der Terz reibt) und vermittelt ein Gefühl von Schwerelosigkeit. Typischer Vamp: F – G/F: Ein G-Dur-Akkord über einem F im Bass enthält das H.
M:4/4 L:1/8 Q:1/4=84 K:Flyd "F" F G A B c2 B A | "G/F" G2 B2 A4 | "F" c2 e2 d B c2 | "G/F" B4 A4 |]
Oben der Akkord G/F: F im Bass, G-H-D darüber. Lass ihn klingen: Das ist der „lydische“ Klang schlechthin.
Übung: zwei Farben, ein Teppich
- Starte die modale Begleitung in G. Linke Hand: ein tiefes G, gehalten (bei Bedarf mit Pedal).
- Spiel 8 Takte G-Mixolydisch. Regel: Jede Phrase enthält ein F, und mindestens eine Phrase endet auf F (die ungelöste Spannung ist gewollt!).
- Spiel dann 8 Takte G-Lydisch (G A H Cis D E Fis) über demselben Teppich. Stell das Cis heraus.
- Im Wechsel: 4 Takte Mixolydisch, 4 Takte Lydisch. Beschreib laut (oder schriftlich) das Gefühl jeder Farbe: „erdig“, „schwebend“, „fröhlich“, „seltsam“ … Wenn du Farben Worte gibst, kannst du sie später bewusst wählen.
- Bonus: Starte die Pop-Begleitung in F und schieb jedes Mal, wenn der F-Akkord wiederkommt, ein H (Lydisch) statt B ein. Eine Filmmusik-Farbe mit einem einzigen Ton.
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