Impressionismus (ca. 1890–1920)

Musikgeschichte · Das Klavier im Lauf der Geschichte · Stufe 4 · 14 Min.

Das Wort stammt aus der Malerei (Monet, Impression, soleil levant), und Debussy mochte es nicht besonders. Trotzdem beschreibt es treffend eine französische Revolution um 1900: Die Musik sucht Farbe, Atmosphäre und Andeutung statt Entwicklung und tonaler Spannung.

Merkmale

  • Neue Tonleitern: alte Kirchentonarten, die Pentatonik, die Ganztonleiter (sechs Töne im Ganztonabstand).
  • Akkorde wegen ihrer Farbe: unaufgelöste Septimen und Nonen, parallel verschobene Akkorde (Planing), leere Quarten und Quinten.
  • Ferne Einflüsse: das javanische Gamelan, gehört auf der Pariser Weltausstellung 1889, ein erträumtes Spanien, die Antike.
  • Der Klang des Klaviers selbst: Resonanz, gehaltenes Pedal, Klangflächen, extreme Lagen.
  • Bildhafte Titel (in Debussys Préludes stehen sie am Ende jedes Stücks, in Klammern).

Die Ganztonleiter

M:4/4
L:1/4
K:C
C D E ^F | ^G ^A c2 |]

Ohne Halbtöne hat sie keinen Leitton und keine eindeutige Tonika: Alles schwebt. Debussy verwendet sie in „Voiles“ (Préludes, Heft I).

Parallele Akkorde

Statt die Stimmen in Gegenbewegung zu führen, wird dieselbe Akkordform als Block verschoben, wie ein Pinselstrich: Quintparallelen, in der klassischen Harmonielehre verboten, werden zur Farbe.

M:4/4
L:1/4
%%staves {RH LH}
V:RH clef=treble
V:LH clef=bass
K:C
[V:RH] [EGc]2 [FAd]2 | [GBe]2 [FAd]2 | [EGc]4 |]
[V:LH] [C,G,]4 | [C,G,]4 | [C,G,]4 |]

Komponisten und Werke zum Anhören

KomponistWerke
Claude Debussy (1862–1918)Deux Arabesques, Suite bergamasque („Clair de lune“), Children's Corner, Estampes, Préludes („La Fille aux cheveux de lin“, „La Cathédrale engloutie“)
Maurice Ravel (1875–1937)Pavane pour une infante défunte, Jeux d'eau, Sonatine, Le Tombeau de Couperin
Erik Satie (1866–1925)Gymnopédies, Gnossiennes (der Bewegung nahe, aber nicht einzuordnen)
Gabriel Fauré, Lili Boulanger, Déodat de SéveracNocturnes, Barcarolles; „D'un jardin clair“; „En vacances“

Stilgerecht spielen

  • Pedal: großzügig, aber präzise; Halbpedal, „Flatterpedal“ (schnelles leichtes Anheben), um aufzuhellen, ohne abzuschneiden.
  • Una corda für ferne Klänge; Debussy träumte von einem Klavier „ohne Hämmer“.
  • Anschlag: die Taste eher drücken als schlagen, Finger nah an den Tasten, entspanntes Armgewicht.
  • Klangebenen: Jede Schicht (gehaltener Bass, Akkorde, Melodie) hat ihre eigene Lautstärke.
  • Exakter Rhythmus: Trotz des harmonischen Dunstes verlangt Debussy große rhythmische Präzision.
Probier's aus: Tritt das Pedal, spiel ein tiefes C im Fortissimo und hör dann den Obertönen nach, während du leise Akkorde darüber spielst. Das Klavier wird zum Resonanzinstrument: Das ist der ganze Geist dieser Musik.
Dunstig heißt nicht schlampig: Der Impressionismus verlangt extreme Klangkontrolle. Zu viel Pedal über wechselnden Harmonien ergibt Brei, keine Atmosphäre.

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