Die Klassik (ca. 1750–1820)
Musikgeschichte · Das Klavier im Lauf der Geschichte · Stufe 3 · 14 Min.
Nach der Komplexität des barocken Kontrapunkts suchten die Komponisten Klarheit, Ausgewogenheit und Natürlichkeit. Das ist die Zeit von Haydn, Mozart und dem jungen Beethoven, mit Wien als Zentrum – und die Zeit, in der das Hammerklavier das Cembalo ablöste.
Merkmale
- Begleitete Melodie: eine klare Melodie in der rechten Hand über einer dezenten Begleitung in der linken (Alberti-Bass, wiederholte Akkorde).
- Regelmäßige Phrasen: 4 + 4 Takte, Frage und Antwort (siehe die Lektion über die Periode).
- Formen: Sonate, Rondo, Thema mit Variationen, Menuett und Trio.
- Innerer Kontrast: mehrere Charaktere innerhalb eines Satzes (gegensätzliche Themen).
- Neue Dynamik: p, f, sf, Crescendi, möglich gemacht durch das Hammerklavier.
Komponisten und Werke zum Anhören
| Komponist | Werke |
|---|---|
| Carl Philipp Emanuel Bach (1714–1788) | Sonaten, Fantasien; ein „Versuch über die wahre Art das Clavier zu spielen“ (1753) |
| Joseph Haydn (1732–1809) | 62 Sonaten, darunter die Sonate in C-Dur Hob. XVI:35 |
| Wolfgang Amadeus Mozart (1756–1791) | Sonaten KV 545 („facile“) und KV 331 (Rondo alla turca), Fantasie in d-Moll KV 397 |
| Muzio Clementi (1752–1832) | Sonatinen op. 36, Gradus ad Parnassum |
| Ludwig van Beethoven (1770–1827) | Sonate „Pathétique“ op. 13 und „Mondscheinsonate“ op. 27 Nr. 2, Sonaten op. 49, „Für Elise“ |
Der Alberti-Bass
Benannt nach Domenico Alberti, ist er die klassische Begleitung schlechthin: ein gebrochener Akkord im Muster tief – hoch – Mitte – hoch.
M:4/4
L:1/8
%%staves {RH LH}
V:RH clef=treble
V:LH clef=bass
K:C
[V:RH] "C"e4 g2 e2 | "G7"d4 f2 d2 | "C"c2 e2 "G7"d2 B2 | "C"c8 |]
[V:LH] C,G,E,G, C,G,E,G, | B,,G,F,G, B,,G,F,G, | C,G,E,G, B,,G,F,G, | C,G,E,G, C,4 |]
Stilgerecht spielen
- Eine leichte, gleichmäßige linke Hand: Der Alberti-Bass soll murmeln, nicht hämmern. Halte den Daumen (den wiederholten Ton) ganz leicht.
- Bindebögen = Artikulation: Ein klassischer Bindebogen endet mit einem leichten Zurücknehmen der letzten Note.
- Vorhalte auf dem Schlag, angelehnt, sanft aufgelöst.
- Pedal: sparsam, um ein paar Akkorde zu färben oder zu verbinden, nie um etwas zu überdecken.
- Tempo: gleichmäßig; Rubato bleibt dezent und dient der Melodie.
Denk an Oper und Orchester: Mozart schreibt für das Klavier wie für Sänger und Instrumente. Frag dich: „Ist diese Stelle ein Sopran, Geigen, Hörner?“ Dein Anschlag wird sich verändern.
Häufiger Fehler: Klarheit mit Trockenheit verwechseln. Klassische Musik braucht einen singenden, runden Ton – nur ohne Übertreibung.
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