Ein Riff komponieren

· Gitarre: Songs und Riffs · Stufe 3 · 20 Min.

Ein Riff ist eine kurze, wiederholte Figur (ein oder zwei Takte), die das Rückgrat eines Stücks bildet. Chicago-Blues, Rock, Funk und Metal sind auf Riffs gebaut. Wie das Motiv des klassischen Komponisten ist ein gutes Riff winzig und doch unter Tausenden wiederzuerkennen, und es verwandelt sich im Lauf des Stücks. Seine Besonderheit: Es entsteht unter den Fingern, oft auf den tiefen Leersaiten.

1. Die Zutaten eines Riffs

  • Zuerst der Rhythmus: Synkopen, Vorwegnahmen, Pausen. Wenn du den Rhythmus auf den Tisch klopfst und die Leute ihn erkennen, bist du auf der richtigen Spur.
  • Ein Anker: Die tiefe Leersaite (E, A oder D) kehrt immer wieder als Pfeiler zwischen den anderen Tönen zurück.
  • Wenige Töne: Moll-Pentatonik oder Blues-Tonleiter, höchstens drei bis fünf Töne.
  • Die „Wendung“: Das Ende des Zyklus verändert sich leicht (Schema AAAB: dreimal das Riff, beim vierten Mal eine Variante), um die Schleife neu anzuschieben.

2. Das einstimmige Riff

Zwei Takte in E auf den tiefen Saiten, dann dasselbe Riff auf die A-Saite transponiert (die IV), wie in einem Riff-basierten Blues.

M:4/4
L:1/8
Q:1/4=104
K:Em clef=treble-8
"E5"E,E, G,E, A,E, _B,A, | E,E, G,E, D E B,2 | "A5"A,A, CA, DA, _ED | A,A, CA, G A E2 |]

Achte auf den chromatischen Durchgangston (B in E, Es in A), die „Blue Note“, die für Biss sorgt. Die Bewegung ist auf beiden Saiten identisch: Du komponierst mit einer Form und verschiebst sie dann.

3. Das Powerchord-Riff

Powerchords (Grundton + Quinte) bewegen sich als Block entlang der 6. Saite. Hier schafft das Abdämpfen mit dem Handballen (P.M., Palm Muting) auf den E5-Akkorden einen Kontrast zu den frei klingenden Akkorden danach.

M:4/4
L:1/8
Q:1/4=112
K:Em clef=treble-8
"E5""_P.M."[E,B,] [E,B,] z [E,B,] z "G5"[G,D] "A5"[A,E]2- | [A,E]2 "G5"[G,D]2 "E5"[E,B,]4 |]
e |------------------------|------------------------|
B |------------------------|------------------------|
G |------------------------|------------------------|
D |------------------------|------------------------|
A |-2--2-----2-----5--7----|-7-----5-----2----------|
E |-0--0-----0-----3--5----|-5-----3-----0----------|

4. Weitere Riff-Familien

  • Das Frage-Antwort-Riff: eine Phrase auf den tiefen Saiten, dann ein angeschlagener Akkord, der antwortet.
  • Das Doublestop-Riff: zwei Töne im Quartabstand auf der 3. und 4. Saite, typisch für Blues-Rock und Soul.
  • Das arpeggierte Riff: ein Akkord, der in einer Schleife gezupft wird, mit cleanem Sound, oft mit Delay; ideal für eine Ballade oder ein Intro.
  • Das Orgelpunkt-Riff: eine Leersaite, in Sechzehntelnoten wiederholt, über der Töne „herausspringen“.

5. Ein Stück um das Riff herum bauen

  1. Intro: das Riff allein, zwei- oder viermal.
  2. Strophe: Das Riff läuft unter dem Gesang weiter, oft vereinfacht, um Platz zu lassen.
  3. Wechsel: das Riff auf die IV transponiert (wie im Beispiel) oder ein neuer, ausgehaltener Akkord als Kontrast.
  4. Break: Das Riff bricht abrupt ab („Stop-Time“); nur ein paar Schläge bleiben, dann geht es wieder los.
  5. Schluss: das Riff ein letztes Mal, mit ausgehaltenem Schlusston oder einem Schlussakkord.
Tipp für Komponisten: Spiel dein Riff in drei verschiedenen Tempi. Langsam wird es schwer und bedrohlich; schnell wird es fröhlich oder nervös. Das Tempo ist Teil der Idee.
Typische Fehler:
  • Ein zu langes oder zu volles Riff: Wenn du es nicht singen kannst, ist es zu kompliziert.
  • Keine Stille: Oft ist es gerade die „Lücke“ in einem Riff, die es unvergesslich macht.
  • Das Riff wiederholen, ohne es je zu variieren: Denk an das Schema AAAB und an Lagenwechsel.

Deine Werkstatt

  1. Nimm zehn Minuten lang mit dem Handy jede Riff-Idee auf, die dir auf der tiefen E-Leersaite unter die Finger kommt. Nicht urteilen, nur sammeln.
  2. Hör es dir wieder an und behalte das Riff, an das du dich am nächsten Tag noch erinnerst.
  3. Gib ihm eine „Wendung“ (Version AAAB) und transponiere es dann auf die A-Saite.
  4. Bau eine Form: Intro – Strophe – Wechsel – Break – Schluss, mit der Blues-Begleitung in E als Partner, falls dein Riff bluesig ist.
  5. Schreib das Riff mit clef=treble-8 in den ABC-Editor und bewahre die Tabulatur in deinem Heft auf.

Selbstkontrolle: Kannst du dein Riff auswendig pfeifen? Kann ein Freund, der es einmal gehört hat, es nachsummen?

✓ Zum Quiz der Lektion

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