Komponieren in offenen Stimmungen: DADGAD, Open G und Open D

· Gitarre: Fingerstyle, offene Stimmungen und klassische Gitarre · Stufe 4 · 25 Min.

Wer die Stimmung ändert, wechselt das Instrument. Die Griffe, die deine Finger kennen, funktionieren nicht mehr: Du musst hinhören, suchen – und genau daraus entstehen neue Ideen. Die Leersaiten klingen als Akkord, schwingen mit und liefern ständige Bordunklänge. Viele Gitarristen-Komponisten haben ihren Stil darauf aufgebaut: John Fahey und die „American Primitive“-Gitarristen in Open D und Open G, Davey Graham, der DADGAD Anfang der 1960er-Jahre in Großbritannien bekannt machte, Pierre Bensusan und die ganze keltische Gitarrenszene, Nick Drake oder Joni Mitchell mit Dutzenden eigener Stimmungen.

1. Drei Stimmungen, drei Charaktere

StimmungSaiten (6 → 1)Ausgehend von der StandardstimmungCharakter
DADGADD A D G A D6., 2. und 1.: einen Ganzton tieferLeerakkord Dsus4: weder Dur noch Moll, modal, keltisch
Open GD G D G H D6., 5. und 1.: einen Ganzton tieferLeerakkord G-Dur: Blues, Slide, Rock-Rhythmus
Open DD A D Fis A D6., 2. und 1.: einen Ganzton; 3.: einen Halbton tieferLeerakkord D-Dur: breit, orchestral, Bordunklänge

Stimm mit dem Stimmgerät (Menü „Stimmung“: „DADGAD“, „Open G“, „Open D“).

2. Ein paar Griffe zum Einstieg

StimmungGriff (6 → 1)TöneAkkord
DADGAD0 0 0 2 0 0D A D A A DD5 (ohne Terz)
DADGAD0 0 4 2 0 0D A Fis A A DD-Dur
DADGAD0 0 3 2 0 0D A F A A Dd-Moll
DADGAD5 5 0 0 0 0G D D G A DGsus2
DADGADx 0 2 0 0 0A E G A DA7sus4
Open GBarré 0 / 5 / 7 / 12G / C / D / G
Open DBarré 0 / 5 / 7 / 12D / G / A / D

Für einen Moll-Akkord in Open G senkst du den Ton auf der 2. Saite um einen Bund (sie trägt die Terz); in Open D trägt die 3. Saite die Terz.

3. Strategien für Komponisten

  • Der wandernde Griff über Leersaiten: Schieb einen kleinen Zwei-Finger-Griff den Hals entlang, während die Leersaiten weiterklingen. Jede Position ergibt einen neuen, vollen Akkord mit reibenden Sekunden, die wie eine Harfe klingen.
  • Melodie über einem Bordun: Komponiere eine Melodie auf der 1. und 2. Saite über einem leeren Basston; nimm vorübergehende Dissonanzen in Kauf, sie gehören zur Klangfarbe.
  • Zonen des Halses: In einer offenen Stimmung ergibt ein einfaches Barré die I (Bund 0), die IV (5) und die V (7). Ein Stück kann als Reise zwischen diesen Zonen gebaut sein.
  • Die Stimmung als Handschrift: Viele Komponisten verbinden eine Stimmung mit einer Stimmung im Sinne von Atmosphäre. Führ ein Heft: Stimmung, gefundener Griff, Eindruck.

4. Ein Air in DADGAD

Eine kleine Melodie im Dreiertakt, im Geist keltischer Airs: der leere Basston auf dem ersten Schlag, die Melodie auf der 1. Saite, und die leeren Saiten 2 und 3 klingen zwischen den Tönen weiter.

M:3/4
L:1/8
Q:1/4=84
K:D clef=treble-8
"D"[D,d]2 G e [Af]2 | "G"[G,Dg]2 G f [Ae]2 | "A7sus4"[A,d]2 A e [Ad]2 | "D"[D,A,FAd]6 |]
d |-0--------2--4----|-5--------4--2----|-0--------2--0----|-0----------------|
A |-------------0----|-------------0----|-------------0----|-0----------------|
G |-------0----------|-------0----------|-------2----------|------------------|
D |------------------|------------------|------------------|-4----------------|
A |------------------|-5----------------|-0----------------|-0----------------|
D |-0----------------|-5----------------|------------------|-0----------------|

5. Ein Wechselbass in Open G

Der Daumen wechselt zwischen der 5. Saite (G) und der 4. Saite (D); die Melodie wird auf den hohen Saiten gespielt. Für IV und V ein Barré im 5., dann im 7. Bund: dieselbe Hand, nur verschoben.

M:4/4
L:1/8
Q:1/4=96
K:G clef=treble-8
"G"[G,B] d [De] d [G,B] A [DG]2 | "C"[Ce] g [Ga] g [Ce] c [Ge]2 | "D"[Da] f [Ad] f [Da] g [Af]2 | "G"[G,d]2 [DB]2 [D,G,DGBd]4 |]
d |----0--2--0-------------|----5--7--5-------------|-7-----------7--5-------|-0-----------0----------|
B |-0-----------0----------|-5-----------5-----5----|----7-----7--------7----|-------0-----0----------|
G |----------------2--0----|----------------5-------|-------7----------------|-------------0----------|
D |-------0-----------0----|-------5-----------5----|-------7-----------7----|-------0-----0----------|
G |-0-----------0----------|-5-----------5----------|-7-----------7----------|-0-----------0----------|
D |------------------------|------------------------|------------------------|-------------0----------|

Die Notensysteme zeigen die klingende Tonhöhe (eine Oktave höher notiert, wie alle Gitarrennoten); die Tabulaturen gelten für die angegebene Stimmung.

Tipp für Komponisten: Schreib die Stimmung immer oben auf deine Noten („Stimmung: D A D G A D“) und liefere eine Tabulatur mit. Das Notensystem allein sagt nicht, wo die Töne gespielt werden, und ein Gitarrist, der dein Stück entdeckt, muss umstimmen können, bevor er liest.
Typische Fehler:
  • Das ganze Stück auf dem Leerakkord bleiben: Der Nachklang ist verführerisch, aber ohne harmonische Reise schweift der Zuhörer ab. Nutze die Zonen des Halses.
  • Nach Standardgriffen suchen: In einer offenen Stimmung gehst du vom Ohr aus, nicht vom Fingergedächtnis.
  • Zu schnell umstimmen: Entspannte Saiten setzen sich noch ein paar Minuten lang; prüf deine Stimmung, bevor du aufnimmst.

Deine Werkstatt

  1. Stimm auf DADGAD. Erkunde zehn Minuten lang ohne Methode und lass die Leersaiten klingen; nimm alles auf.
  2. Behalte zwei Ideen: einen „wandernden Griff“ und eine kleine Melodie auf der 1. Saite.
  3. Bau eine Form A – B – A: A auf dem Leerakkord (D), B in einer anderen Zone (G im 5. Bund oder A im 7. Bund), dann zurück.
  4. Schreib die Noten in den ABC-Editor (clef=treble-8), mit der Stimmung als Untertitel (T:Tuning DADGAD), und bewahre die Tabulatur in deinem Heft auf.
  5. Bonus: Übertrag dasselbe Stück auf Open D und vergleiche die Klangfarben.

Selbstkontrolle: Würde dein Stück in Standardstimmung genauso gut klingen? Wenn ja, hast du die offene Stimmung noch nicht ausgeschöpft: Such nach dem, was nur sie ermöglicht (Bordunklänge, Unisono, Nachklang).

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