Eine Melodie im Fingerstyle arrangieren
· Gitarre: Fingerstyle, offene Stimmungen und klassische Gitarre · Stufe 4 · 25 Min.
Die Melodie und ihre Begleitung allein auf einer Gitarre zu spielen, ist die große Kunst des Fingerstyle, von Merle Travis und Chet Atkins bis zu den Folk-Gitarristen von heute. Eine Melodie so zu arrangieren, ist eine hervorragende Kompositionsübung, denn du musst drei Ebenen in zwei Hände packen. Wir arrangieren Schritt für Schritt Au clair de la lune (ein traditionelles französisches Lied) mit einem Wechselbass nach Travis.
1. Die drei Ebenen
- Der Bass (Daumen): auf jedem Schlag, im Wechsel zwischen zwei Basssaiten (der Grundton, dann ein anderer Akkordton).
- Die Melodie (Zeige-, Mittelfinger): auf der 1. und 2. Saite, über allem anderen.
- Die Füllstimme: eine mittlere Saite (oft die leere 3.) auf den Offbeats, die den Motor am Laufen hält.
2. Die Tonart wählen
Die goldene Regel: Die Melodie muss auf den hohen Saiten liegen und die Grundtöne der Akkorde auf leeren oder leicht greifbaren Basssaiten. Die Tonarten C, G, D, A und E (und ihre Moll-Paralleltonarten) sind am großzügigsten. In C passt die Melodie von Au clair de la lune auf die 2. und 1. Saite (C im 1. Bund, D im 3. Bund, leeres E), und die Basstöne C, E, G liegen unter dem Daumen.
3. Schritt 1: die Melodie allein
M:4/4 L:1/8 Q:1/4=90 K:C clef=treble-8 "C"c2 c2 c2 d2 | e4 "G7"d4 | "C"c2 e2 "G7"d2 d2 | "C"c8 |]
4. Schritt 2: der Wechselbass allein
In C: 5. Saite (C) – 4. Saite (E) – 6. Saite (G) – 4. Saite (E). In G7: 6. Saite (G) – 4. Saite (D). Spiel das, bis es automatisch läuft: Es ist der Motor.
M:4/4 L:1/8 Q:1/4=90 K:C clef=treble-8 "C"C2 E2 G,2 E2 | "C"C2 E2 "G7"G,2 D2 | "C"C2 E2 "G7"G,2 D2 | "C"C2 E2 G,2 E2 |]
5. Schritt 3: alles zusammen
Die Melodie fällt auf den Bass (gleichzeitig angeschlagen, der „Pinch“), und die leere 3. Saite füllt die Offbeats. Hier ist das ganze Lied: A (Takte 1 bis 4), B (5 bis 8), dann A.
M:4/4 L:1/8 Q:1/4=84 K:C clef=treble-8 "C"[Cc]G [Ec]G [G,c]G [Ed]G | "C"[Ce]G EG "G7"[G,d]G DG | "C"[Cc]G [Ee]G "G7"[G,d]G [Dd]G | "C"[Cc]G EG G,G EG | "G"[G,d]G [Dd]G [G,d]G [Dd]G | "D7"[DA]2 A,2 [DA]2 A,2 | "G"[G,d]G [Dc]G [G,B]G [DA]2 | "G7"[G,G]2 D2 G,2 B,2 | "C"[Cc]G [Ec]G [G,c]G [Ed]G | "C"[Ce]G EG "G7"[G,d]G DG | "C"[Cc]G [Ee]G "G7"[G,d]G [Dd]G | "C"[Cc]G EG [CEGc]4 |]
6. Konflikte lösen
- Die Melodie fällt auf die Saite der Füllstimme (Takt 6: A auf der 3. Saite): Lass die Füllstimme weg und behalte Bass + Melodie.
- Ein langer Ton: Lass ihn klingen, während der Bass darunter weiterläuft. Gerade der Wechsel erzeugt das Gefühl von Bewegung.
- Eine zu tiefe Melodie: Verschieb sie eine Oktave höher oder wechsle die Tonart.
- Übergänge: Führ am Ende eines Abschnitts den Bass zum nächsten Akkord (Takt 8: G – D – G – H, dann C).
- Stil: Wenn du manche Melodietöne um eine Achtelnote vorziehst (auf den Offbeat), bekommst du den typischen Swing des Country-Pickings.
- Zu viele Töne: Ein überladenes Arrangement verdeckt die Melodie. Fang immer mit Bass + Melodie an und füge die Füllstimme nur dort hinzu, wo Platz ist.
- Ein Bass, der aussetzt, sobald die Melodie schwierig wird: Spiel lieber langsamer, als den Motor abzuwürgen.
- Eine „Noten“-Tonart statt einer Gitarren-Tonart: Es-Dur oder As-Dur zwingen dich, überall Barré zu greifen.
Deine Werkstatt
- Wähle eine gemeinfreie Melodie, die du auswendig kennst: Frère Jacques, Aura Lee (1861), Oh! Susanna (Stephen Foster, 1848), Shenandoah…
- Finde eine Tonart, in der die Melodie auf der 1. und 2. Saite liegt (probier C, dann G, dann D).
- Harmonisiere sie mit zwei oder drei Akkorden (I, IV, V), einem pro Takt oder pro halbem Takt.
- Schreib zuerst den Wechselbass allein, füge dann die Melodie auf den Schlägen hinzu und dann die Füllstimme.
- Schreib dein Arrangement in den ABC-Editor, mit beiden Stimmen als Akkorde zusammengefasst (
[Cc]) undclef=treble-8.
Selbstkontrolle: Spiel dein Arrangement jemandem vor, ohne den Titel zu verraten. Erkennt er die Melodie spätestens im zweiten Takt?
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