Deine erste achttaktige Melodie

· Erste Ideen · Stufe 2 · 20 Min.

Du hast jetzt alle Werkzeuge, um deine erste echte Melodie zu schreiben: ein Motiv, Wiederholung und Variation, Frage und Antwort. In dieser Lektion setzen wir sie Schritt für Schritt zusammen, wie ein Handwerker, der einem Plan folgt. Am Ende hast du eine achttaktige Melodie in C-Dur mit linker Hand, die du spielen und teilen kannst.

Schritt 1: einen Charakter wählen

Bevor du auch nur einen Ton schreibst, entscheide, was du ausdrücken willst. Einen zärtlichen Walzer? Einen fröhlichen Marsch? Ein Wiegenlied? Diese Wahl bestimmt Taktart und Tempo:

CharakterTaktartTempo
Walzer, wiegend3/4100–140
Marsch, Energie4/4 oder 2/4100–120
Wiegenlied, träumerisch3/4 oder 6/860–80
Ruhiges Lied4/470–90

Für unser Beispiel wählen wir einen kleinen Walzer im 3/4-Takt.

Schritt 2: der Plan der Periode

Mach einen Plan, bevor du schreibst. Das ist das Geheimnis von Melodien, die „stehen“:

TakteRolleEndet auf
1–2das Motiv—
3–4Rest der FrageH oder D (Halbschluss)
5–6das Motiv kehrt zurück und steigt dann zum Gipfel—
7–8Abstieg und SchlussC (Ganzschluss)

Schritt 3: die Melodie schreiben

Hier ist das Ergebnis. Hör zu und verfolge dabei den Plan oben.

M:3/4
L:1/4
Q:1/4=120
K:C
"C"E2 G | "G7"F2 D | "C"E G c | "G"B3 | "C"E2 G | "Dm"d2 A | "G7"G F D | "C"C3 |]

Schau dir an, wie sie gebaut ist:

  • Takte 1–2: Das Motiv (eine halbe Note, eine Viertelnote) steigt von E nach G und antwortet sich dann selbst ein Stockwerk tiefer, F–D.
  • Takte 3–4: Die Melodie schwingt sich bis zum hohen C auf und fällt dann auf H zurück, einen langen, offenen Ton: das Ende der Frage.
  • Takte 5–6: Das Motiv kehrt zurück (der Zuhörer erkennt es wieder) und steigt dann bis zum hohen D, dem höchsten Ton der Melodie, der nur einmal erklingt: Das ist der Gipfel.
  • Takte 7–8: ein Abstieg G–F–D über G7, dann das Schluss-C. Ende.

Schritt 4: eine linke Hand hinzufügen

Fürs Erste reicht ein tiefer Ton pro Takt, der den ganzen Takt lang gehalten wird. Er liefert das harmonische Fundament. Die Akkordsymbole (C, G7, Dm = d-Moll) sagen dir, welchen Ton du wählen sollst: den Grundton des Akkords.

M:3/4
L:1/4
Q:1/4=120
K:C
%%staves {RH LH}
V:RH clef=treble
V:LH clef=bass
[V:RH] "C"E2 G | "G7"F2 D | "C"E G c | "G"B3 | "C"E2 G | "Dm"d2 A | "G7"G F D | "C"C3 |]
[V:LH] C,3 | G,,3 | C,3 | G,,3 | C,3 | D,3 | G,,3 | C,3 |]

Im Kapitel über Begleitung lernst du, aus diesen gehaltenen Tönen einen echten Walzerbass („Um-ta-ta“) zu machen.

Schritt 5: die Checkliste durchgehen

  • Der Tonumfang (vom tiefsten zum höchsten Ton) ist nicht größer als etwa eine Dezime.
  • Der Gipfel erklingt nur einmal, am besten in der zweiten Hälfte.
  • Die Bewegung ist überwiegend schrittweise; auf Sprünge folgt ein Schritt zurück in die Gegenrichtung.
  • Der Rhythmus des Motivs kehrt mindestens zweimal wieder.
  • Takt 4: offener Schluss. Takt 8: Schluss auf C.
Mit der Piano-Roll arbeiten: In der Piano-Roll läuft die Zeit von links nach rechts und die Tonhöhe von unten nach oben. Schreib zuerst nur die Melodie, spiel sie in einer Schleife ab, korrigiere sie und füg erst dann die linke Hand hinzu. Oft hinhören bringt mehr als lange nachdenken.
Typische Fehler:
  • Takt für Takt ohne Plan schreiben: Die Melodie irrt umher und weiß nicht, wohin sie will. Der Plan aus Schritt 2 vermeidet diese Falle.
  • Mehrere gleich hohe Gipfel: Wenn du dreimal zum selben hohen D hinaufsteigst, gibt es keinen Höhepunkt mehr.
  • In jedem Takt ein anderer Rhythmus: Ohne wiederkehrenden Rhythmus gibt es keine Einheit.
  • Das Atmen vergessen: Plane lange Töne in den Takten 4 und 8 ein, wie ein Sänger, der Luft holt.

Deine Werkstatt

  1. Wähle einen Charakter, eine Taktart und ein Tempo (Tabelle in Schritt 1). Schreib sie oben auf deine Skizzenbuch-Seite.
  2. Übernimm den Plan aus Schritt 2 und füll ihn aus: Welches Motiv? Welcher Ton für den Halbschluss? Wo liegt der Gipfel?
  3. Schreib deine achttaktige Melodie in C-Dur in der Piano-Roll und verwende dabei dein Motiv aus den vorigen Lektionen.
  4. Füg eine linke Hand mit einem Ton pro Takt hinzu: C, F oder G (eventuell auch D oder A), je nach den Melodietönen.
  5. Geh die Checkliste aus Schritt 5 durch und korrigiere, was nicht funktioniert.
  6. Übertrag deine Melodie in den ABC-Editor und gib ihr einen Titel. Glückwunsch: Du hast dein erstes Stück komponiert!

Selbstkontrolle: Spiel deine Melodie zweimal hintereinander. Die Wiederholung sollte natürlich wirken und der Schluss wirklich abschließen.

✓ Zum Quiz der Lektion

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